interaktiv

FSJ in Tschechien

"imatrikulace"

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

16.11.2010

„Montag, Montag, Dienstag, Dienstag, Mittwoch, Mittwoch, Donnerstag! Freitag, Freitag, Samstag, Samstag, Sonntag, Sonntag, den ich mag!“
Es ist kein langer Text, nicht besonders schwierig und auch die Melodie stellt keine übermäßige Herausforderung dar und doch: Nicht nur die Kleinen aus der 1B platzen vor Stolz, wenn sie „ihr“ Lied anstimmen, auch ich freue mich riesig über jeden Vokal, der nicht typisch tschechisch kurz und abgehackt, sondern schön lang und in sich geschlossen ertönt.

Was war das für eine Arbeit, ihnen den Montag mit seinem langen runden „o“ beizubringen. Auch über Donnerstag stolperten viele kleine Zungen immer und immer wieder. Irgendwann war aber auch diese Hürde überwunden, wir näherten uns dem Ziel, der Rest konnte ja so schwierig nicht sein. Welch ein Irrtum! An dem kleinen Wörtchen „den“ drohte die ganze Sache zu scheitern. Immer wieder versuchte ich ihnen ein langes „e“ zu verklickern: „E wie Esel, nicht wie Ente!“ Schließlich waren sie so verwirrt, dass man von „den“ über „diiin“ bis zu „dänn“ alle Varianten hören konnte und ich gab es auf.

Insgeheim machte mir der fürchterliche tschechische Akzent Spaß und die Lehrer hier sprachen ja selber so. Bei der Generalprobe in der Turnhalle war ich stolz auf „meine“ Kleinen. Morgen würden sie in einer symbolischen „imatrikulace“ ihren Eltern und Verwandten präsentieren, was sie in den ersten vier Wochen Schule gelernt hatten, ein Immatrikulationszeugnis von der Direktorin erhalten und wahrscheinlich vor Rührung in Tränen zerfließen. Die „imatrikulace“ ist Tradition an meiner Grundschule, wird jedes Jahr pathetisch zelebriert und von vielen Seiten schlicht belächelt. Von mir auch.

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