interaktiv

FSJ in Tschechien

Vom Prüfungswahn der Tschechen

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

04.01.2011

Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, in denen ich von meinem Lehrer angeraunzt wurde, als ich nach dem Notenspiegel fragte. „Datenschutz!“ kam es einsilbig zurück und damit war die Sache erledigt. Meine zaghaften Einwände diesbezüglich in Tschechien wurden belächelt oder erst gar nicht verstanden. Hier hat nämlich (zumindest in der Grundschule) jeder Schüler ein so genanntes ?ákovská kni?ka (Schülertagebuch), in das der Lehrer bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Note hineinschreibt, und das schon ab der ersten Klasse.

Ich traute meinen Augen kaum, als die kleine Eliška eine dicke rote eins in ihr Büchlein bekam und vor der ganzen Klasse gelobt wurde, nur weil sie in der Stunde ihr Verschen fehlerfrei aufsagen konnte. Umgekehrt drehte sich mir der Magen um, als Šimon aus der Sechsten in aller Öffentlichkeit Schelte und eine Fünf bekam, weil seine Hausaufgaben fehlten.

Ich beobachtete bald, wie Schüler jeglichen Alters mitten im Unterricht in Tränen zerflossen und dem Leistungsdruck nicht standhielten. Wie denn auch?! Bereits vor der ersten Klasse gibt es eine Aufnahmeprüfung, vor der weiterführenden Schule ebenfalls, von den Abiturprüfungen ganz zu schweigen und unabhängig vom Abischnitt gibt es an jeder Uni vorab noch einmal eine Prüfung. Ich lache fast, denke ich daran, dass meine erste Pflichtprüfung in der Schule das Abitur war und dort konnte man bei entsprechendem Punktepolster nur schwer durchfallen!

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