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FSJ in Nicaragua

Schrecklich, aber wahr (Teil 2)

Seit Danielas Geburt habe sie dafür gearbeitet, dass ihre Töchter eines Tages ein anderes Leben führen könnten als sie, schluchzte meine Gastmutter. „Dani hatte doch so viele Pläne. Erinnerst du dich noch, dass sie immer gesagt hat, dass sie eines Tages Architektur in Managua studieren wollte?“, fragte sie mich. Dann fügte sie hinzu: „Und stell dir vor, Esther, ich kann nicht einmal mehr aus dem Haus gehen, ohne dass die Leute hinter vorgehaltener Hand über mich reden.“ Ich konnte es mir nur zu gut vorstellen, wie schrecklich es für sie sein musste, in diesem kleinen Dorf zu leben, in dem alle nur darauf warteten, sich an den Leiden der anderen zu ergötzen.

Schließlich fing sie auch noch an, sich Vorwürfe zu machen. Sie hätte Noel niemals erlauben dürfen, bei ihrer Tochter zu übernachten. Vielleicht hatte ihre Familie ja Recht, wenn sie meinten, dass sie eine Rabenmutter sei.

Ich konnte es kaum aushalten, die Verzweiflung und Trauer in ihrer Stimme zu hören. Ich versuchte, sie zu beruhigen, ihr zu sagen, dass sie alles nur Erdenkliche getan habe, um die Schwangerschaft ihrer Tochter zu verhindern, und, dass alles keinesfalls ihre Schuld sei. Doch ich wusste, dass ich eigentlich nichts tun konnte, um ihren Schmerz zu lindern.

Als ich später im Bett lag, versuchte ich mir meine kleine Gastschwester mit dickem Bauch vorzustellen. Bei dem Gedanken daran, wie sehr die Schwangerschaft ihr Leben verändern und wie sehr nicht nur sie, sondern auch meine Gastmutter noch leiden würde, rollten mir die Tränen über die Wangen, die ich schon den ganzen Abend zurückgehalten hatte.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jan 26, 2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jan 26, 2011

FSJ in Nicaragua

Schrecklich, aber wahr (Teil 1)

Nervös wählte ich die Nummer meiner Gastmutter. Mein Vater würde sich wieder mal beschweren, dass die Telefonrechnung zu hoch sei. Aber das war mir egal. Dieser Anruf war wichtig. Wichtiger als die zehn Euro, die ich vielleicht meinem Vater zurückzahlen müsste.

Ich hatte in letzter Zeit oft in Nicaragua angerufen. Das kleine mittelamerikanische Land und die Menschen, die ich dort kennen gelernt hatte, waren mir mit der Zeit genauso wichtig geworden wie meine deutschen Freunde.

Während es am anderen Ende der Leitung tutete, betete ich, dass es nur ein dummes Gerücht war. Ich wollte schon fast auflegen, da hörte ich endlich Cecilias Stimme am anderen Ende der Leitung. „Hallo? Esther?“, fragte sie. Als ich ihr antwortete, dass ich es war, die sie angerufen hatte, fing sie an zu weinen. Da wusste ich, dass Ruths Cousin nicht gelogen hatte. Unter Tränen bestätigte sie das, was mir schon zu Ohren gekommen war: Dani, ihre 14-jährige Tochter, war schwanger. Sogar von ihrem „colegio“ war sie schon verwiesen worden. Das sei normal in Nicaragua, erklärte mir Ceci. Wird ein Mädchen schwanger, darf es nicht mehr mit seinen Klassenkameraden zur Schule gehen.

Dann gibt es nur zwei Alternativen: Entweder es besucht die Abendschule oder alle 14 Tage eine Art Wochenendschule. Doch das Niveau ist natürlich nicht besonders hoch und damit die Aussichten auf einen Platz an einer guten Universität relativ gering, fügte meine Gastmutter hinzu.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jan 24, 2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jan 24, 2011

FSJ in Tschechien

Deutsch-Olympiade

Es war ein merkwürdiges Gefühl, denn ich erinnerte mich noch gut an meine eigene erste Sprachprüfung. Wie nervös war ich allein vor dem schriftlichen Teil, den wir noch ganz in Ruhe mit unserer Französischlehrerin im Klassenraum absolviert hatten. Und dann die Mündliche, da ging das ganz große Flattern los. „Vergesst auf keinen Fall das Bonjour, wenn ihr den Raum betretet!“, schärfte unsere Lehrerin uns ein. Dann saß ich schweißgebadet mit zittrigen Händen vor der Prüferin, erzählte von meinen Hobbys und log dabei das Blaue vom Himmel herunter, nur weil es einfacher auszudrücken war. Und nun sollte ich selber dieser böse Mensch sein, der die armen Schüler prüft? Mit meinem Moralempfinden ging das gar nicht d’accord, aber mir blieb keine Wahl. Im schriftlichen Teil achtete ich penibel darauf, dass keiner vom anderen abschrieb. Schließlich wollte ich nur die beiden besten Schüler vom schulinternen zum Kreiswettbewerb schicken.

Der mündliche Teil im Anschluss war mir ein Gräuel. Sage und schreibe drei Lehrer und ich saßen dem Prüfling direkt gegenüber. Die meisten Schüler brachten vor Nervosität kein Wort heraus, die Deutschlehrerin unterbrach sie ständig und verbesserte. Mir lief es kalt den Rücken herunter, mich hatte während meiner Prüfung nie einer verbessert und das war auch stets gut so gewesen. Die Schüler verließen völlig demoralisiert den Raum und nun war es an den Prüfern, die beiden besten auszumachen. Eine schwierige Entscheidung! Meiner Meinung nach hatten sie alle auf Kreisebene keine Chance und doch mussten zwei weiter. Ich plädierte für diejenigen, die einfach frei drauflos gequatscht hatten, auch wenn ihre Grammatik zu wünschen übrig ließ. Als Muttersprachlerin wurde meine Stimme doppelt gewichtet. Hoffentlich schaffen die beiden es auch.

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jan 21, 2011
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jan 21, 2011