interaktiv

FSJ in Nicaragua

Schrecklich, aber wahr (Teil 1)

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

24.01.2011

Nervös wählte ich die Nummer meiner Gastmutter. Mein Vater würde sich wieder mal beschweren, dass die Telefonrechnung zu hoch sei. Aber das war mir egal. Dieser Anruf war wichtig. Wichtiger als die zehn Euro, die ich vielleicht meinem Vater zurückzahlen müsste.

Ich hatte in letzter Zeit oft in Nicaragua angerufen. Das kleine mittelamerikanische Land und die Menschen, die ich dort kennen gelernt hatte, waren mir mit der Zeit genauso wichtig geworden wie meine deutschen Freunde.

Während es am anderen Ende der Leitung tutete, betete ich, dass es nur ein dummes Gerücht war. Ich wollte schon fast auflegen, da hörte ich endlich Cecilias Stimme am anderen Ende der Leitung. „Hallo? Esther?“, fragte sie. Als ich ihr antwortete, dass ich es war, die sie angerufen hatte, fing sie an zu weinen. Da wusste ich, dass Ruths Cousin nicht gelogen hatte. Unter Tränen bestätigte sie das, was mir schon zu Ohren gekommen war: Dani, ihre 14-jährige Tochter, war schwanger. Sogar von ihrem „colegio“ war sie schon verwiesen worden. Das sei normal in Nicaragua, erklärte mir Ceci. Wird ein Mädchen schwanger, darf es nicht mehr mit seinen Klassenkameraden zur Schule gehen.

Dann gibt es nur zwei Alternativen: Entweder es besucht die Abendschule oder alle 14 Tage eine Art Wochenendschule. Doch das Niveau ist natürlich nicht besonders hoch und damit die Aussichten auf einen Platz an einer guten Universität relativ gering, fügte meine Gastmutter hinzu.

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