interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Comenius war ein Tscheche

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

05.04.2011

Genüsslich lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück. Zur Ausnahme saß ich mal ganz hinten in der letzten Reihe und konnte die Hampelmänner, die da vorne Lehrer spielten, ganz in Ruhe beobachten. Es war ein herrliches Gefühl. Nicht ich hielt da vorne den Unterricht, nicht ich trat unsicher von einem auf den anderen Fuß, nicht ich ermahnte verzweifelt die Störenfriede hinten links in der Ecke, nicht ich war der Buhmann, der Hausaufgaben aufgab, nicht ich fühlte mich vom Klingeln erlöster als jemals zuvor in meiner Schulzeit –  nein, ich saß und drehte Däumchen, lachte an der ein oder anderen Stelle wohlwollend und gab hinterher ein Feedback, wie der Oberlehrer schlechthin. Doch wer stand da vorne?
Richtig, Schüler! Anlässlich des 419. Geburtstages von Jan Ámos Komenský (besser bekannt als Comenius, der übrigens tatsächlich Tscheche war!) wurde an meiner hiesigen Schule der Tag des Lehrers zelebriert. Riesige Blumensträuße schmückten die Pulte der Lehrerinnen und für die Herren der Schöpfung gab’s Schokolade. Alle Lehrer durften sich erholen: Heute hielten die Acht- und Neuntklässler den Unterricht!
Klar, dass der ein oder andere echte Lehrer nicht an sich halten konnte und sich trotzdem einmischte – und klar, dass nicht alle Schüler in der Lage waren, eine ganze Klasse in Schach zu halten. Bald hörte man überall das Gerücht, dass zwei arme Achtklässler, die das Glück hatten, ausgerechnet in der ersten Stunde den Unterricht der Direktorin vertreten zu müssen, jetzt in ihrem Klassenraum saßen und einen Test schrieben. Offensichtlich war ihr Lehrversuch gescheitert...

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