interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Die Stecknadel im Heuhaufen oder allein in Prag

Autor:
Inga

Rubrik:
orientieren

03.05.2011

Es war direkt zu Beginn meines Freiwilligendienstes, als wir Tschechien-Freiwillige uns zusammenrauften, um unserer Botschaft fernab der Heimat mal einen solidarischen Besuch abzustatten. Dass dabei der Weg nach Prag viel weiter war als kurz über die Grenze in das Land selbst, störte mich wenig und auch der winterbedingte Stau auf der Autobahn ließ meine Euphorie nur bedingt sinken.
Als wir schließlich leicht verspätet in der Botschaft ankamen, war ich recht enttäuscht: Nicht mal ein Glas Wasser, geschweige denn Häppchen warteten auf uns und so straften wir unseren Botschaftsansprechpartner ohne Rang und Namen, indem wir drei Stunden lang pausenlos mehr oder weniger qualifizierte Fragen auf ihn abschossen.
Ich war froh noch am selben Abend von Prag nach Berlin zu fahren, ansonsten wäre der Aufenthalt völlig umsonst gewesen. So hatte ich es dann auch recht eilig, als wir uns von der Botschaft loseisten. In meiner Hektik verlief ich mich kurz auf dem Weg zur Metro-Station. Ich sprach noch kein Wort Tschechisch, hatte keinen U-Bahn-Plan, kam aus einer Kleinstadt und gewöhnte mich nur schwer an alles, was nicht Fahrrad oder Auto hieß und in einer Stadt unterwegs war.
Ich musste zum Busbahnhof „Florenc“. Dass dieser an selbiger Metro-Station zu finden war, kombinierte ich messerscharf, doch dort angekommen, verstand ich keine einzige Anschrift, fand ich keinen Wegweiser und stellte fest, dass mein Bus in vier Minuten abgefahren sein würde. Ich fragte nach dem Weg und geriet ausgerechnet – an zwei Taubstumme. Ich verstand das Problem erst gar nicht, dachte, es müsse an meiner sprachlichen Inkompetenz liegen, als aber die eine ihr Handy herausholte, „autobusové nádra?í“ (= Busbahnhof) eintippte und mich fragend anschaute, war mir klar, dass ich wieder mal die Stecknadel im Heuhaufen gefunden hatte. Ich nickte lebhaft, die beiden führten mich bis direkt vor den Busbahnhof und ich wusste wirklich nicht, wie ich ihnen danken sollte. Daumen hoch und weg war ich. Den Bus erwischte ich gerade noch.

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