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Freiwilligendienst im Ausland

In der Notaufnahme

Meine Hand hatte urplötzlich eine (Zier-)Kürbisartige Größe angenommen, war knallrot und juckte dermaßen, dass ich am liebsten eine Selbstamputation vorgenommen hätte.

All die guten Ratschläge der Kochfrauen in der Schulmensa hatten nicht geholfen; ich hatte von Fenistil über Kräuterkühlgel bis Essigwasser alles ausprobiert, nun war ich schon seit vier Tagen handicapped und keine Besserung war in Sicht. Was hatte mich bloß für ein Monsterinsekt gestochen, auf das ich aus heiterem Himmel so allergisch reagierte?! Es half alles nichts, ich musste zum Arzt, besser gestern als heute, aber wohin?!

Krankenhaus-Notaufnahme war das Erste, das mir einfiel. Ein bisschen merkwürdig kam ich mir vor, wie ich mit fast gänzlich eingegipsten Mitmenschen auf meine Behandlung wartete, aber meine geschwollene Hand tuckerte nach wie vor und war in etwa dreimal so schwer wie die gesunde.

Fast umarmte ich den Arzt vor Glück, als dieser mich nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde auf Englisch begrüßte, ich fühlte mich absolut außerstande irgendetwas Tschechisches von mir zu geben. Ebenso beglückt seinerseits war der Arzt über meine europäische Krankenversichertenkarte, die ihm ganz offensichtlich jede Menge unliebsamen Bürokram ersparte.

Kaum eine halbe Stunde später verließ ich unglaublich erleichtert mit einem Attest, einem Rezept, einer Quittung und einem Verband das Spital. Ich fühlte meine Hand geradezu heilen.

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 7, 2011
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 7, 2011

Freiwilligendienst im Ausland

Eine Stunde Nicaragua

Als ich am Mittwochmorgen das Gymnasium betrat, war ich leicht aufgeregt. Mir war gesagt worden, dass ich die Unterrichtsstunde auf Spanisch halten, aber sehr langsam und deutlich sprechen sollte, da es durchaus einige gab, die Spanisch noch nicht so gut verstanden. „Ach ja, und mach dir keine Gedanken, wenn teilweise nur wenig Reaktion von den Schülern kommt, “ sagte die Lehrerin zu mir. „Einige von denen sind ganz schöne Schlafmützen.“ Schnell begriff ich, was sie gemeint hatte. Bereits als ich das Klassenzimmer betrat, lagen die Schüler mehr oder weniger lustlos auf den Bänken, und als ich mit dem Vortrag begann, blickten mich zunächst nur verschlafene, desinteressierte Gesichter an. Doch nach und nach kam Regung in die Runde. Als ich über die Parties der nicaraguanischen Jugendlichen sprach, tauchten die ersten Fragen auf. Aber auch die ganz anderen Lebensbedingungen, unter denen die meisten Kinder dort aufwachsen, interessierten sie, und als sie hörten, dass meine Gastschwester mit 14 schwanger wurde und es in Nicaragua durchaus normal ist, dass Jugendliche mit 17 oder 18 Jahren bereits zwei bis drei Kinder haben, wurde ich geradezu mit Fragen bombardiert. Als es zur Pause läutete, gab es immer noch so viele Fragen, dass wir vereinbarten, dass ich in der darauffolgenden Woche eine weitere Unterrichtsstunde übernehmen würde.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 5, 2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 5, 2011

Freiwilligendienst im Ausland

Das SEK stürmt die Schule

Drei schwarzgekleidete Männer in Kampfanzügen stürmten schwerbewaffnet an mir vorbei dir Treppe hinauf. Es war Freitagmorgen, 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn, gerade hatte ich nichtsahnend die Schule betreten. Auf ihren Rücken leuchteten mir in knalligem Orange die Lettern POLICIE entgegen. Ich erstarrte. Dann spurtete ich den Polizisten hinterher gen Lehrerzimmer. Hinter mir polterte es. Es war der kleine Honza aus der 2b. „Was ist los?!“, fragte er erschrocken. Ich hielt inne, fasste ihn an beide Schultern und sagte ruhig aber bestimmt: „Hans, es ist jetzt ganz wichtig, dass du in deiner Klasse bleibst und wartest bis die Lehrerin kommt, verstehst du?!“ Hoffentlich hörte er mein Herzrasen nicht. Er verschwand. Gott sei Dank. Ich sauste am Sekretariat vorbei, dort schnappte ich die Worte „Junge …oben …Polizei, schnell!“ auf. Etwas war außer Kontrolle geraten, aber was? Am Treppenabsatz in den dritten Stock kam mir Honzas Lehrerin entgegen: Don’t go up! There is …“ Der Rest ging in einem ohrenbetäubenden Knall von oben unter. Erfurt, Winnenden, Emsdetten, ein Wort reihte sich an das nächste und ließ mein Herz aussetzen. Aber es war kein Schuss, beruhigte ich mich, eher ein zerbrechendes Möbelstück, kein Schuss. Außerdem hatte ich bislang nur drei Polizisten gesehen. Mit der Konrektorin zusammen wagte ich mich in den dritten Stock. Dort kam uns ein merkwürdiges Quartett entgegen. Zwei SEK-Leute schleiften einen offensichtlich betrunkenen Mann in Handschellen hinter sich her, während der dritte leise in sein Mikrofon sprach. Mir fielen hunderttausend Steine vom Herzen.

Autor: Inga  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 29, 2011
Autor: Inga
Rubrik: orientieren
Jun 29, 2011