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Freiwilligendienst im Ausland

Auch im Unbekannten stellt sich Alltag ein

Nur mit einem Rucksack loszuziehen, in den man sein ganzes Leben für ein halbes Jahr packt, klingt ja unglaublich spannend. Ist es am Anfang auch. Doch irgendwann wird es zur Normalität. Es ist dann kein Abenteuer mehr und die Gedanken kreisen primär um: „Ich vermisse meine Dusche und mein Bett und meine Schuhe. Und ein wenig Nagellack wäre auch mal ganz nett“. Hinzu kommen die Schnarcher im Gemeinschaftsschlafraum, die oft müffelnden Kleider, weil sie mal wieder nass eingepackt wurden, die verlorenen Socken, schon wieder Käse auf dem Toastbrot, das sich mit „inspired by german bred“ rühmt und, ganz ganz schlimm: „Haben wir schon wieder keine Milch für den Kaffee?“

Man kann sich als eingefleischter Materialist entpuppen, auch wenn das das letzte war, was man von sich selbst gedacht hätte. Und seltsamerweise gab es für mich nichts Größeres, als im „Free Food“, in dem Gäste Lebensmittel hinterlassen, die sie nicht mehr brauchen, etwas Essbares zu finden. Und ganz besonders toll war es auch immer, ein ausgelesenes Buch im „Book Exchange“ gegen ein Neues auszutauschen.

Ich finde, man kann sechs Monate Abenteuerreise in fünf Teile teilen: Am Anfang ist alles aufregend und neu. Soweit so gut. Nach zwei Monaten stellt man fest, dass es einem gar nicht mehr so grausam vorkommen würde, wenn man nun aus irgendeinem Grund heimfliegen müsste, aber man will trotzdem noch viel sehen. Nach drei Monaten würde man gerne alle Freunde und die Familie wieder sehen, aber deswegen heimfliegen will man nicht. Nach vier Monaten kommt ein Loch, alles nervt und man fragt sich: „Wie lang noch?!“ Und in den letzten zwei Monaten wird die Zeit wieder ungemein kostbar, denn da wird einem bewusst, dass man all das bald nicht mehr haben wird und zurück in die gewohnte Welt muss. Und da verzichtet man doch gerne auf das bisschen Milch im Kaffee.

Wofür gibt’s Milchpulver?!

Autor: Miriam  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 13, 2012
Autor: Miriam
Rubrik: auszeit nach dem abi
Mar 13, 2012

Freiwilligendienst im Ausland

Mögliche Ängste (Teil 2)

3. Wie ist es, im Linksverkehr zu fahren?

Leichter als man denkt. Gut, man betätigt öfter mal den Scheibenwischer statt des Blinkers und ja, ich bin zwei Mal auf der rechten Spur gefahren, aber es sind ja eh kaum Autos unterwegs. Als Großstadt mit viel Verkehr gehen nur Auckland und ein bisschen noch Wellington, Christchurch und Dunedin durch. Ansonsten folgt man einfach den anderen Autos. Wir hatten allerdings auch ein Automatik-Getriebe.

4. Werde ich Anschluss finden? Pack ich das auch alleine?

Bestimmt. Solang man sich selbst ein bisschen bemüht, sind die Leute in den Hostels super aufgeschlossen. Sie wollen doch selbst Kontakt! Ich bin aber auch mit zwei Freunden los, weil man sich, wenn man das erste Mal für so lange Zeit ins Ausland geht, so einfach besser fühlt. Oft verhindert es aber auch neue Kontakte. Deshalb bin ich einmal alleine in ein Hostel und wurde schier überrannt von neuen Menschen. Jetzt würde ich defintiv alleine gehen. Und was den Alltag angeht: Die Neuseeländer helfen gerne und vieles ist wie in Deutschland.

5. Finanziell machbar?

Ich denke schon. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg (Mehr dazu in meinem Blog-Eintrag „Das liebe Geld“).

6. Soll ich ein eigenes Auto kaufen?

Weiß nicht. Wir hatten Glück, doch es bleibt riskant. Auch wir mussten zweimal den Abschleppdienst rufen, da die Batterie leer war. Und am Schluss fuhren wir, wie man uns später sagte, quasi ohne Bremsen (Ach, das war das schleifende Geräusch!).

Autor: Miriam  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 1, 2012
Autor: Miriam
Rubrik: auszeit nach dem abi
Mar 1, 2012

Freiwilligendienst im Ausland

Mögliche Ängste

Alle sprechen immer davon, wie aufregend und bereichernd ein Auslandsaufenthalt ist. Dabei werden oft die Punkte übersehen, die dagegen sprechen und bei den meisten im Hinterkopf stecken.

Hier habe ich mal zwei mögliche Ängste aufgelistet, die alle Antworten sind natürlich subjektiv.

1. Sollte ich nicht lieber gleich anfangen zu studieren?

Ich denke nicht. Natürlich hat jeder seinen eigenen Weg und zu manchen mag ein schneller Studienstart super passen. Doch allen, die auch nur im entferntesten über einen Auslandsaufenthalt nachdenken, rate ich, es unbedingt zu machen! Es gibt keine bessere Entscheidung. Es bringt einem keine guten Noten, kein Geld und keine Auszeichnung ein. Doch bringt es einen persönlich so ungemein nach vorne, dass ich diese Erfahrung nie missen möchte. Die Zeit nach dem Abi ist perfekt. Und wenn man die zwei schlimmsten Fälle, die eintreten könnten, gegeneinander abwägt, ist für mich klar, wer gewinnen würde. Entweder man fällt im Ausland kräftig auf die Nase oder man sagt sich irgendwann Mitte 40: „Wär ich doch damals nur gegangen, ich hab die Chance verpasst.“

2. Werde ich das Heimweh ertragen können?

Ja. Ich persönlich habe das erste Mal nach vier Monaten ein wenig Sehnsucht nach daheim bekommen. Aber auch eher, weil ich etwas reisemüde war. Ebenso habe ich Leute getroffen, die die erste Woche nur geheult haben. Das ist okay. Ich habe aber nur eine Person getroffen, die wirklich wieder heim wollte und etliche, die (für immer) in Neuseeland bleiben wollten. Und ihr müsst ja nicht gleich ein ganzes Jahr bleiben.

Eine Gefahr bleibt allerdings: Wer sich einmal mit dem Reisefieber infiziert hat, wird sein ganzes Leben an Fernweh leiden.

Autor: Miriam  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 23, 2012
Autor: Miriam
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 23, 2012