interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Auch im Unbekannten stellt sich Alltag ein

Autor:
Miriam

Rubrik:
auszeit nach dem abi

13.03.2012

Nur mit einem Rucksack loszuziehen, in den man sein ganzes Leben für ein halbes Jahr packt, klingt ja unglaublich spannend. Ist es am Anfang auch. Doch irgendwann wird es zur Normalität. Es ist dann kein Abenteuer mehr und die Gedanken kreisen primär um: „Ich vermisse meine Dusche und mein Bett und meine Schuhe. Und ein wenig Nagellack wäre auch mal ganz nett“. Hinzu kommen die Schnarcher im Gemeinschaftsschlafraum, die oft müffelnden Kleider, weil sie mal wieder nass eingepackt wurden, die verlorenen Socken, schon wieder Käse auf dem Toastbrot, das sich mit „inspired by german bred“ rühmt und, ganz ganz schlimm: „Haben wir schon wieder keine Milch für den Kaffee?“

Man kann sich als eingefleischter Materialist entpuppen, auch wenn das das letzte war, was man von sich selbst gedacht hätte. Und seltsamerweise gab es für mich nichts Größeres, als im „Free Food“, in dem Gäste Lebensmittel hinterlassen, die sie nicht mehr brauchen, etwas Essbares zu finden. Und ganz besonders toll war es auch immer, ein ausgelesenes Buch im „Book Exchange“ gegen ein Neues auszutauschen.

Ich finde, man kann sechs Monate Abenteuerreise in fünf Teile teilen: Am Anfang ist alles aufregend und neu. Soweit so gut. Nach zwei Monaten stellt man fest, dass es einem gar nicht mehr so grausam vorkommen würde, wenn man nun aus irgendeinem Grund heimfliegen müsste, aber man will trotzdem noch viel sehen. Nach drei Monaten würde man gerne alle Freunde und die Familie wieder sehen, aber deswegen heimfliegen will man nicht. Nach vier Monaten kommt ein Loch, alles nervt und man fragt sich: „Wie lang noch?!“ Und in den letzten zwei Monaten wird die Zeit wieder ungemein kostbar, denn da wird einem bewusst, dass man all das bald nicht mehr haben wird und zurück in die gewohnte Welt muss. Und da verzichtet man doch gerne auf das bisschen Milch im Kaffee.

Wofür gibt’s Milchpulver?!

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