interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Australien — wie sehr sind wir von unserem Umfeld geprägt?

Autor:
Miriam

Rubrik:
orientieren

21.06.2012

Nach unserem halbjährigen Aufenthalt im wunderschönen Neuseeland, nutzten Mara und ich noch die Chance, einen Abstecher nach Australien zu machen. Unsere Mitreisende Elena flog zurück nach Deutschland, da ihr die Reisekosten zu viel wurden. Erleichtert wurde uns die Reise-Entscheidung durch die Tatsache, dass meine Mutter eine ehemalige Schulfreundin in Australien hat. Diese hatte schon früh angeboten, dass wir bei wohnen könnten, worauf ich nun gerne zurückkam. Ich kannte sie noch von Deutschland und es war schon seltsam, sie dann als Australierin zu sehen. Sie sagte, dass sie bewusst den Kontakt zu Deutschen vermieden hätte, als sie emigrierte, um sich schnell an das Land und das Leben dort zu gewöhnen. Bezeichnenderweise wurde dann aber doch eine Deutsche ihre beste Freundin. Seltsam war es auch, ihre Töchter neu kennenzulernen, da ich mit den beiden als kleines Kind schon gespielt hatte, mich aber kaum daran erinnern konnte. Als ich sie jetzt vor mir sah, hatte ich das Gefühl, zwei waschechten Australierinnen gegenüber zu stehen. Ich konnte gar nichts mehr von den „deutschen Mädchen“ erkennen, die mir früher so ähnlich gewesen waren. Ich fragte mich, wie ich wohl heute wäre, wenn ich in Australien aufgewachsen wäre. Hätte ich die gleichen Interessen und Vorlieben wie in Deutschland entwickelt? Dieses Wiedersehen führte mir wieder vor Augen, wie sehr wir doch von der Kultur, in der wir leben, geprägt sind und dass das oft unterschätzt wird, weil wir uns ja alle für so individuell halten. Nicht einmal mein einfaches Kopfnicken für „ja“ würde überall auf der Welt verstanden werden, denn es gibt keine Sprache natürlicher Gesten, die für uns alle gilt – nur so als kleinen Exkurs in die Kulturwissenschaft…

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