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Freiwilligendienst im Ausland

Krank in Mexiko

Autor:
Maja

Rubrik:
auszeit nach dem abi

13.08.2012

Keine Sorge, dieser Artikel wird sich nicht den Details meiner Krankheit widmen! Nachdem ich natürlich gleich in meiner zweiten Woche in Mexiko krank geworden bin, habe ich festgestellt, dass man hier generell ganz anders mit Kranksein und Krankheiten umgeht und darüber werde ich schreiben.

Wenn man in Deutschland Bauchschmerzen hat, isst man Zwieback und Salzstangen, der Mexikaner trinkt Thymiantee und isst Reis oder Salat. Zwieback gibt es hier gar nicht, also habe ich mich von Weißbrot und Honig ernährt – auch nicht so einfach zu erstehen, weil Brotessen in Mexiko nicht so verbreitet ist. Man ernährt sich von Mais in verschiedenen Varianten.

Glücklicherweise bin ich ganz von selbst wieder gesund geworden. Eine Apotheke ist hier nämlich etwas anderes als in Deutschland. Man verkauft dort von Cola bis zu Shampoo alles Mögliche. Nicht zu vergessen die unglaublich laute Musik, die aus den Apotheken schallt. Wenn man gesund kam, geht man bestimmt mit Kopfschmerzen.

Das positive an den Apotheken ist allerdings, dass sie extrem billig sind. Insbesondere eine Apothekenkette, die sich „Simi” nennt, von „similares” was „ähnlich” bedeutet, ist sehr günstig und verkauft Artikel von Qualität. Sie produzieren Medikamente, deren Patente bereits abgelaufen sind und so preiswert herzustellen sind. Eine Packung Aspirin kostet zum Beispiel circa 80 Cent. Weil diese Apothekenkette so erfolgreich ist, kann sie Ärzte einstellen, die für umgerechnet ungefähr 1,50 Euro Patienten behandeln. Noch ein Unterschied zu deutschen Apotheken.

Das ist sehr wichtig für die Mittel- und Unterschicht, die sich Großteiles keine Krankenversicherung leisten kann. Außerdem ist es hier sehr kompliziert, selbst wenn man versichert ist, das Geld für den Arztbesuch oder die Medikamente zu bekommen. Mir wurde gesagt, dass bei dem ganzen Papierkram gut und gerne ein ganzer Tag draufgehen kann. Die Versicherung zu konsultieren lohnt sich also nur bei schwereren Krankheiten.

Eine andere Alternative, um sich zu heilen habe ich gestern in der Kirche von San Juan Chamula gesehen. Ich bin nämlich gerade mit einem Freund auf Rundreise und wir sind in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten an der Grenze zu Guatemala, der einen hohen Indigenen Anteil hat. In dieser Kirche jedenfalls wurde ich Zeugin, wie sich die Indigenen von Krankheiten kurieren: Man stelle sich eine katholische Kirche mit unglaublich vielen Kerzen und Heiligenstatuen vor. Der Boden ist mit Piniennadeln bedeckt und die Decke mit bunten Stoffbahnen geschmückt. Es sind viele Leute in der Kirche und man hört ununterbrochen ein Gemurmel – und ein Hühnergegluckse! Die Indigenen opfern hier nämlich ihre Hühner, um die Gnade Gottes zu erlangen. Ein junger Mann erklärte mir: Wenn jemand krank ist, kommt er oder sie mit ihrem Huhn hierher. Mit Gottes Hilfe überträgt sich die Krankheit auf das Huhn, welches dann in der Kirche erst betend zigmal über die Kerzen geschwenkt und dann geschlachtet wird. Im Anschluss isst die ganze Familie das Huhn und der Kranke wird gesund. Diese Mischung von indigenem Glauben und Katholizismus erschien mir sehr interessant.

Vielleicht sollte ich das nächste Mal auch einfach ein Huhn opfern, wenn ich krank bin.

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