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Freiwilligendienst im Ausland

Ein Fest der Menschenrechte in Sierra

Autor:
Anni

Rubrik:
orientieren

02.01.2013

Ich möchte heute mit euch einen ganz besonderen Moment teilen. Es gibt gute Nachrichten aus dem Bereich der Menschenrechte: Vor inzwischen mehr als zwei Wochen, am 27. November, sind die beiden politischen Häftlinge José Ramón und Pascual, die Amnesty in Mexiko betreute, nach drei Jahren Haft freigekommen.

José Ramón und Pascual hatten sich vor ihrer Verurteilung für einen gerechten Zugang zu Trinkwasser in ihrer Gemeinde eingesetzt und wurden wegen eines angeblichen Autodiebstahles verurteilt. Dass das Auto nach dem Urteilsspruch in der Garage seines Besitzers wieder auftauchte, hat die Justiz nicht von ihrer Unschuld überzeugen können. Umso erfreulicher ist es, dass der Weg zum obersten Richterspruch schneller kam als erwartet. Nicht zuletzt verdanken José Ramon und Pascual dabei ihre Freiheit dem starken Rückhalt ihrer Gemeinde, den engagierten Anwälten und der Arbeit von drei Nichtregierungsorganisationen, welche den Fall an die Öffentlichkeit trugen und international bekannt machten.

In den bald vier Monaten, die ich in Mexiko bin, habe ich an zahlreichen Veranstaltungen für José Ramón und Pascual teilgenommen. Im August ging es mit einer Autokarawane zu deren Gefängnis in Puebla. Im September und Oktober sammelten wir Unterschriften und im November wurden diese in einem Event an den (mittlerweile) Ex-Präsidenten Calderón überreicht. Aus Freude über die Rückkehr von José Ramon und Pascual hat die Gemeinde Atla alle Unterstützer eingeladen, einen Gottesdienst mit ihnen zu feiern.

So ging es vergangenen Sonntag wieder nach Puebla. Nach rund vier Stunden Fahrt kamen wir an und wurden sehr herzlich empfangen. Zu diesem Zeitpunkt brodelten bereits drei große Kessel über dem offenen Feuer am Rande der Kirche. Sie waren voll mit Schweinefleisch und die gierigen, streunenden Hunde versuchten vergebens sich zu nähern, um von dem Braten zu stibitzen. Nebenan bereitete derweil eine Gruppe von Frauen Tortillas zu. Ihre Hände klatschen im Takt, um aus der Maismasse die Fladen zu formen, die auf einem Feuerblech zum Garen landeten.

Die Messe fand in einer kleinen, schlichten Kirche statt. Wir drängten uns dicht, um was von der Andacht mitzubekommen. Ein Teil der Predigt war auf Nahuatl, einer indigenen Sprache, die in der Sierra Puebla noch lebendig ist und mehr gesprochen wird als das Spanische.

Der Messe folgten Dankesreden, eine feierliche Übergabe von Blumenschmuck zur Ehrung der Unterstützer, eine Geige und Gitarren spielten zum Tanz auf, der im Reigen und gediegenen Schrittes wahrgenommen wurde. Erst als die Sonne sich schon an den Rand der umliegenden Berge senkte, wurde das köstliche Essen serviert. Ich weiß nicht, wann Tortillas mir das letzte Mal so gut geschmeckt haben!

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