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Freiwilligendienst im Ausland

Urlaub in Guerrero

Autor:
Anni

Rubrik:
auszeit nach dem abi

17.01.2013

Die Sonne lacht und die Menschen schwitzen – das ist mein erster Eindruck von Guerrero. Nach der ganzen Zeit, die ich in Mexiko-Stadt verbracht habe, hatte ich schon vergessen wie heiß es in diesem Land sein kann, denn die Hauptstadt ist derzeit nur mäßig warm und nachts bisweilen sehr kalt.

Unsere erste Station in Guerrero war ein Flüsschen im Norden des Staates. Wir bahnten uns einen Weg entlang des Rinnsals durch Gestrüpp, vertrocknete Büsche und Äste. Bepackt mit einem Wasserkanister, Zelt und Schlafsäcken suchten wir ein ruhiges Plätzchen zum Campen. Mit Blick auf den schwarzen Fluss und einem kleinen Lagerfeuer war die Großstadt dann auch schnell vergessen. Der Himmel war voller Sterne (und Sternschnuppen!) und wir wollten eigentlich schlafen gehen, als ein Fischer uns aufspürte, sich zu uns setzte und mit Fragen bedrängte, ob wir nicht Fisch kaufen oder ihm Geld schenken wollten. So rollten wir schweren Herzens unsere Schlafsäcke wieder zusammen und packten das Zelt ein, um uns einen anderen Platz zu suchen. Nach einer Stunde Wanderung fanden wir diesen. Lediglich ein paar Pferde, die wohl ausgerissen waren, trabten nachts vorbei, und ein paar Kühe wünschten uns eine gute Nacht…

Am nächsten Morgen ging es zur zweiten Station: einem Staudamm. Ein Laster nahm uns bis zum Ortsausgang mit. Zum Glück, denn die brütende Hitze breitete sich bereits am frühen Morgen aus. Umso glücklicher waren wir, uns am See-Restaurant im Schatten des Schilfdaches niederlassen zu können. Mit frischem Fisch und einem kühlen Bier warteten wir bis die Sonne sank. Dann nutzten wir die kühleren Nachmittagsstunden, um die Gegend zu erkunden.

Nachts machten wir uns auf den Weg ins nahegelegene Iguala, einer mittelgroßen Stadt. Die Dusche im Hotel war nach zwei Tagen Hitze und zahlreichen Mückenstichen an Armen und Beinen einfach herrlich und der Ventilator sorgte für eine leichte Brise. In Iguala gab es zudem eine zweite Premiere, denn nachdem wir keine Bar mit Platz für zwei Personen fanden, beschlossen wir, in eine Cantina zu gehen. Ursprünglich war diese Kneipenform nur für Männer bestimmt und bis heute überwiegt dort das männliche Publikum. Ein Gitarrist mit Mundharmonika spielte an diesem Abend Corridos (Lieder aus Zeiten des mexikanischen Unabhängigkeitskampfes) und einzelne Cantina-Gäste sangen voller Inbrust die Lieder über Revolution, Kampf und Liebe. An den Wänden hingen Bilder von Dschungel-Frauen, Wassernixen und Stammgästen mit Bier in der Hand, die sich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Auf dem Tisch standen Habas (Nüsse) im Chilimantel. Die Stimmung war sehr gemütlich und entspannt und so ging ein weiterer Urlaubstag zu Ende.

Am nächsten Tag besuchten wir wiederum einen See und verbrachten die Stunden mit Wassereis im kühlen Nass, aßen Fisch und zelteten am Wasser, bevor es am folgenden Tag zurück ging in die „Monsterstadt“, wie die Einheimischen ihr Zentrum auch neckisch nennen.

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