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Freiwilligendienst im Ausland

Gipfeltreffen — Der Vulkan Xinantécatl

Autor:
Anni

Rubrik:
auszeit nach dem abi

01.03.2013

Gipfeltreffen gibt es nicht alle Tage, und noch seltener wird man zu diesen eingeladen. Doch lasst mich erzählen...

Es ging damit los, dass zum Jahreswechsel viele Freiwillige ihren servicio social abgeschlossen haben und ein Schwung neuer Freiwilliger unser Büro eroberte. Der servicio social ist eine Art „Freiwilligendienst“, den Studenten in Mexiko zum Ende ihres Studiums ableisten müssen. Die Neuen bringen nicht nur spürbar frischen Wind in das Büro, sondern auch eine Menge neuer Ideen in Sachen Freizeit. Unter ihnen habe ich einen wirklich Wanderbegeisterten gefunden, mit dem ich Pläne für einen gemeinsamen Aufstieg schmiedete.

Unser Gipfeltreffen planten wir auf dem Vulkan Xinantécatl oder auch Nevado de Toluca genannt. Das ist ein Gigant, der sich auf 4.600 Meter erhebt, dessen Krawatte aus Schnee gemacht ist und dessen Manschettenknöpfe in seinem Inneren, in den Bergseen des Kraters, ruhen. Seine zwei spiegelklaren, eisigen Gewässer tragen die klangvollen Namen Lago de la Luna und Lago del Sol. Auf ihrem Grund wurden viel Bernstein und andere Opfergaben gefunden, welche von den Urbewohnern des Landes für die Götter dargebracht wurden.

Mit einem Kommilitonen, der am Vortag erst in Mexiko gelandet war, um hier ebenfalls professionelle Praktika anzufangen, machte ich mich am Sonntag früh auf den Weg. Den Bauch voller Tamales vom Frühstück setzten wir uns in den Bus nach Toluca. Von dort holte uns mein Freund mit seinem Auto ab. Es ist wohl der zugänglichste Vulkan von ganz Mexiko, da die Straße fast bis zur Spitze reicht. Dennoch waren das Stück Wanderung über den Bergkamm und der Abstieg in den Krater wegen der dünnen Höhenluft und des losen Untergrunds eine Herausforderung.

Hoch über der Stadt wurden es ganz still. Nur wenige kamen uns entgegen oder suchten wie wir den Weg in die Höhe. In der Ferne konnten wir den Smog über der Stadt als rötlich-braunen Schein erkennen. Schon bald sahen wir das Glitzern der Kraterseen in der Sonne und wir streckten probeweise unsere Hände in dessen kaltes Gewand.

Ein Nordamerikaner hatte sich unweit von uns ganz ins Wasser gewagt, eisig blau kam er unter dem Gelächter der Einheimischen wieder heraus. Bei nur zwei bis vier Grad Lufttemperatur war dies sicher nicht die beste Idee. Später sahen wir ihn auf einem Stein sitzen und Wärme tanken wie ein Reptil in der Mittagssonne.

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