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Freiwilligendienst im Ausland

Critical Mass — Rad fahren in Mexiko-Stadt

Ich wohne ganz in der Nähe meiner Arbeitsstelle. Daher hab ich mir gleich nach Ankunft ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Es ist ein rotes, elegantes Herrenrad aus den 1970er Jahren. Ein nordamerikanisches Modell, das sogar ein Dynamo besitzt, obwohl es diese in Mexiko selten gibt. Mein Velo ist eine Rarität und macht es mir schwer, Ersatzteile zu finden. So wurde mein Reifen insgesamt fünfmal geflickt, bis ich eine Werkstatt fand in der sie ihn mir wechselten.

Platte Reifen holt man sich hier schnell. Denn die Straßen und noch viel mehr die Gehwege weisen tiefe Schlaglöcher oder hohe Kanten auf, und auch Lüftungsschächte oder Kanalisationsgitter sind mitunter so großmaschig, dass der Reifen einfach steckenbleibt.

Dennoch ist diese Stadt fürs Radfahren sehr attraktiv. Man entkommt dem stockenden Verkehr und die Straßen des Metro- und Trolleybusses erlauben ein schnelles Fahren. Diese sind vom normalen Verkehr abgetrennt und führen in alle Himmelsrichtungen. Darüber hinaus gibt es je nach Zone Velos gratis zu leihen oder richtige Radwege.

Die Fahrradbewegung in Mexiko-Stadt ist insgesamt noch relativ jung und entstand mit dem aufkeimenden Bewusstsein für die Luftverschmutzung. Die Förderung des Rades ist eine der zahlreichen Gegenmaßnahmen zum Smog und hat dazu geführt, dass sich mittlerweile mehrmals die Woche Gruppen von Radlern treffen, um gemeinsam die Straßen zu erobern.

Vergangenes Wochenende habe ich zum ersten Mal an einer sogenannten „Critical Mass“ teilgenommen. Mit einer Gruppe von mehr als 60 Radlern haben wir zwei Spuren der Fahrbahn belegt, und damit nicht nur bewiesen, dass Fahrrad fahren Spaß macht, sondern auch auf die Belange und Rechte des nicht-motorisierten Verkehrs aufmerksam gemacht. Nach rund 13 Kilometern und einer Stunde kamen wir am Ziel des Ausflugs an, wo uns neben Livemusik und Vorträgen eine Fahrradwerkstatt erwartete. Es war wirklich toll!

Autor: Anni  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 7, 2013
Autor: Anni
Rubrik: orientieren
Mar 7, 2013

Freiwilligendienst im Ausland

Gipfeltreffen — Der Vulkan Xinantécatl

Gipfeltreffen gibt es nicht alle Tage, und noch seltener wird man zu diesen eingeladen. Doch lasst mich erzählen...

Es ging damit los, dass zum Jahreswechsel viele Freiwillige ihren servicio social abgeschlossen haben und ein Schwung neuer Freiwilliger unser Büro eroberte. Der servicio social ist eine Art „Freiwilligendienst“, den Studenten in Mexiko zum Ende ihres Studiums ableisten müssen. Die Neuen bringen nicht nur spürbar frischen Wind in das Büro, sondern auch eine Menge neuer Ideen in Sachen Freizeit. Unter ihnen habe ich einen wirklich Wanderbegeisterten gefunden, mit dem ich Pläne für einen gemeinsamen Aufstieg schmiedete.

Unser Gipfeltreffen planten wir auf dem Vulkan Xinantécatl oder auch Nevado de Toluca genannt. Das ist ein Gigant, der sich auf 4.600 Meter erhebt, dessen Krawatte aus Schnee gemacht ist und dessen Manschettenknöpfe in seinem Inneren, in den Bergseen des Kraters, ruhen. Seine zwei spiegelklaren, eisigen Gewässer tragen die klangvollen Namen Lago de la Luna und Lago del Sol. Auf ihrem Grund wurden viel Bernstein und andere Opfergaben gefunden, welche von den Urbewohnern des Landes für die Götter dargebracht wurden.

Mit einem Kommilitonen, der am Vortag erst in Mexiko gelandet war, um hier ebenfalls professionelle Praktika anzufangen, machte ich mich am Sonntag früh auf den Weg. Den Bauch voller Tamales vom Frühstück setzten wir uns in den Bus nach Toluca. Von dort holte uns mein Freund mit seinem Auto ab. Es ist wohl der zugänglichste Vulkan von ganz Mexiko, da die Straße fast bis zur Spitze reicht. Dennoch waren das Stück Wanderung über den Bergkamm und der Abstieg in den Krater wegen der dünnen Höhenluft und des losen Untergrunds eine Herausforderung.

Hoch über der Stadt wurden es ganz still. Nur wenige kamen uns entgegen oder suchten wie wir den Weg in die Höhe. In der Ferne konnten wir den Smog über der Stadt als rötlich-braunen Schein erkennen. Schon bald sahen wir das Glitzern der Kraterseen in der Sonne und wir streckten probeweise unsere Hände in dessen kaltes Gewand.

Ein Nordamerikaner hatte sich unweit von uns ganz ins Wasser gewagt, eisig blau kam er unter dem Gelächter der Einheimischen wieder heraus. Bei nur zwei bis vier Grad Lufttemperatur war dies sicher nicht die beste Idee. Später sahen wir ihn auf einem Stein sitzen und Wärme tanken wie ein Reptil in der Mittagssonne.

Autor: Anni  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 1, 2013
Autor: Anni
Rubrik: auszeit nach dem abi
Mar 1, 2013

Freiwilligendienst im Ausland

Schiffsarbeit

Vor zwei Wochen bin ich mit der Fähre von Cancun auf die Fraueninsel gefahren und habe gehofft, schon aus der Ferne das Segelschiff zu sehen, auf dem ich arbeiten würde. Dem war aber leider nicht so. Weit und breit war kein einziger großer Traditionssegler zu sehen und auch die Hafenmeisterei hatte nichts von einem Schiff mit dem Namen „Thor Heyerdahl” gehört.

So habe ich also eine Nacht im Hostel verbracht und hatte am nächsten Morgen mehr Glück. Das Schiff war nämlich einen Tag später als geplant angekommen. Ich habe also zusammen mit meiner Freundin eine Koje auf dem Schiff bezogen. Am ersten Nachmittag hatten wir frei und so sind wir erst mal an den wunderbaren Karibikstrand der touristischen Insel gegangen. Es gab viel zu erzählen und zu besprechen, denn schließlich hatten wir uns einen guten Monat lang nicht mehr gesehen.

Die folgenden Tage waren dann weniger entspannt: Es wurde von acht bis zwölf und von eins bis fünf Uhr gearbeitet. Das war ich nach so viel Urlaub schon gar nicht mehr gewöhnt. Körperlich anstrengende Arbeit bei karibischen Temperaturen schon gar nicht. Aber nach ein paar Tagen war ich nach stundenlangem Schleifen, Streichen, Rost Entfernen und dem damit verbundenen Klettern gar nicht mehr so erschöpft. Auch das Kochen in der heißen, engen Kombüse wurde einfacher.

Für die harte Arbeit wurden wir mit netten Kollegen, gutem Essen und dem wunderbaren Erlebnis in einer Hängematte auf dem Schiff zu schlafen entlohnt. Abends beamten wir Filme auf eines der Segel und schufen damit unser eigenes Kino oder gingen im Zentrum weggehen und Salsa tanzen.

Nach zwei Wochen haben wir trotzdem beschlossen, dass wir das deutsche Schulschiff verlassen und lieber weiterziehen, da uns beiden gar nicht mehr so viel Zeit in Mexiko bleibt und wir lieber noch ein bisschen reisen wollten.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 28, 2013
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 28, 2013