interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Letzte Reisetage

Autor:
Maja

Rubrik:
orientieren

03.04.2013

Ich kann es gar nicht glauben! Mir kam die Zeit in Amerika immer so unendlich lange vor. Ich hatte überhaupt keinen Überblick mehr, wie lange ich bereits in Mexiko, den USA, Kuba und Guatemala gewesen war und wie viel Zeit mir noch blieb. Und zack, auf einmal waren es nur noch zehn Tage! Der Tag meines Rückflugs rückt also in Riesenschritten näher!
Wir, also meine Freundinn und ich, sind gerade in Tilapita. Das ist eine Insel vor der Pazifikküste von Guatemala und hier ist absolut nichts los. Wir sind die einzigen Touristen weit und breit. Es gibt ein paar Insulaner und viele Schweinchen. Ich glaube, das ist der einzige Strand auf der Welt, an dem es mehr Schweine als Touristen gibt!

Die Natur ist wunderbar. Die Insel ist auf der Flussseite von Mangrovenwäldern bewachsen und auch die Strandseite lässt nicht zu wünschen übrig. Ein riesiger, menschenleerer schwarzer Strand erstreckt sich so weit das Auge reicht. Die Wellen brausen und die Vögel kreisen über den Himmel. Der ideale Ort um abzuschalten und zu entspannen.
Man muss es sich aber auch erst mal verdienen, hierher zu kommen. Für die 100 Kilometer von Xela haben wir rund sieben Stunden gebraucht! In Guatemala gibt es im Gegenzatz zu Mexiko nämlich kaum Fernstrecken- und Nachtbusse. Wenn man also nicht in Touristenbussen fahren will, fährt man alle Strecken mit dem öffentlichen Nahverkehr. Das bedeutet: viel umsteigen und extrem langsam vorankommen. Die meisten unserer Gefährte waren sogenannte Chickenbusse (der Name, weil dort alles, unter anderem auch Hühner, transportiert wird). Es handelt sich um riesige, bunt bemalte Busse, die mit einem Affenzahn über die schlechten Straßen düsen.

Als wir das erste Mal mit einem dieser Busse gefahren sind, haben wir uns ganz optimistisch einen Kaffee im Becher mitgenommen und uns schon beim Einsteigen gewundert, warum die Sitzbänke so breit sind, dass man kaum durch den Mittelgang passt. So können zwar drei Leute auf jeder Bank sitzen, aber keiner kann mehr im Gang stehen, was ja dem lateinamerikanischen System der Überfüllung komplett widerspricht. Sobald der Bus aber auf eine Serpentinenstraße fuhr, fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Die Leute sitzen zu zwei mal drei in einer Reihe und schließen so die kleine Lücke des Ganges und zwar aus dem einfachen Grund, dass man ansonsten überhaupt keine Chance hat, irgendwie auf seinem Platz zu bleiben. Dann lernten wir auch, dass man in einem solchen Bus keinen Kaffee trinkt. Mit der Zeit sind wir routiniertere Chickenbusfahrer geworden. Aber die Angst, dass unsere Rucksäcke, die immer auf dem Dach mitfahren, in einer Kurve mal über Bord gehen, sind wir nie losgeworden.

 

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.