interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

In meinem Keller liegt ne Leiche ...

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

05.06.2015

„… wie werde ich sie los / hat da jemand einen Plan?“ Dieser Song von SDP und Sido spukt mir oft im Kopf herum und lässt mich oft tagelang nicht los. Seit einer Woche erscheint mir der Weg vom Song zur Realität gar nicht mehr so weit: Etwas zu optimistisch spaziere ich morgens um viertel vor sieben zum Joggen aus dem Haus. Die typische Motivationsmusik auf den Ohren mache ich zwei schwungvolle Schritte in die klare Luft hinaus. Auf der anderen Seite der ins Schloss fallenden Tür bemerke ich meine etwas zu voreilige Zuversicht – Schlüssel vergessen. Zu spät. Die Tür ist zu. Egal, denke ich, ich bin eh zu spät dran. Wenn ich mit der Runde fertig bin, müsste schon jemand am Empfang sitzen. Eine gute halbe Stunde später stelle ich ernüchtert fest, dass ich mit dieser Einschätzung falsch lag. In dem Moment ist aber auch das nicht weiter tragisch, strahlt die Sonne doch mit einer für die Jahreszeit ungewöhnlichen Kraft vom Himmel. Ich setze mich also auf die Stufen vor dem Eingang und warte. Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass der vor der Kreuzung etwas unentschlossen herumeiernde Mercedesfahrer beim nächstbesten Passanten seine Hilflosigkeit zum Ausdruck bringen wird. Als mir klar wird, dass der nächstbeste Passant ich bin, lässt der schon etwas angegraute Mann bereits sein Fenster herunter.

„Guten Tag. Wissen sie, ob die Krankenpfleger schon da sind?“ Natürlich sind hier schon Pfleger da. Das ist ein Altenheim. Da werden die Leute nicht ihrem Schicksal überlassen, nur weil es Nacht ist, denke ich. Mein offenbar verständnisloser Blick lässt ihn noch hinzufügen: „Ich brauche einen Krankenpfleger. Ich weiß nicht, was ich machen soll!“ Beruhigend versichere ich ihm, dass ich jemanden rufen kann, was ich auch sofort tue. Kurze Zeit später steht der auch schon in der Tür.

Als der Mann dann sein Problem darlegt, bekomme ich leider nur die Hälfte mit, weil ich größtenteils damit beschäftigt bin, mich zu fragen, ob ich das Ganze gerade tatsächlich richtig verstehe. Der Mann erzählt, er hätte zu Hause eine tote Verwandte und wüsste jetzt nicht so ganz genau, was man da machen sollte. So makaber diese Geschichte auch klingt, der Mann wirkte gefasst und nicht verzweifelt. Er war einfach nur ratlos. Der Pfleger alarmierte einen Arzt und der Mann trat beruhigt seinen Rückweg an.

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