interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Flugzeugabsturz im Gemeinschaftssaal

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

15.06.2015

Auslöser für eine annähernd so absurde Geschichte wie letzte Woche war heute eine Reportage über den Flugzeugabsturz über den französischen Alpen vor etwa drei Monaten.

Eine Reportage, der ich anfangs relativ wenig Beachtung schenke, schließlich ist man erst kürzlich fast ausschließlich mit diesem Thema konfrontiert worden und kennt gefühlt jede Aufzeichnungen des Flugschreibers. Dieses Empfinden teile ich aber offenbar nur mit mir alleine, stelle ich fest. Man bedenke, dass die meisten anwesenden alten Damen sich schon nicht merken konnten, was es zum Mittag gab. Wie sollen sie dann verstehen, dass es sich bei dieser Reportage lediglich um eine Aufarbeitung der Geschehnisse von vor drei Monaten handelt?

Als Resultat ist die Allgemeinheit also wieder genauso betroffen wie noch im März. Etwas weniger vielleicht – die Berichterstattung ist nicht ganz so dramatisch aufbereitet. Trotzdem habe ich all Mühe damit, einer Oma auszureden, unbedingt und sofort zum Flughafen zu wollen. Auf die vorsichtige Frage, was sie denn da wolle, erwidert sie eher angsteinflößend als erklärend: „Mein Bruder ist gestorben, finden Sie das gut!?“ Ich versuche zu ergründen, warum genau ihr Bruder am Flughafen gestorben sein sollte. Als könnte sie Gedanken lesen, kommt sie mir allerdings zuvor und erklärt: „Mein Bruder war in dem Flugzeug“. Damit bleiben mir zwei Möglichkeiten. Zum einen kann ich versuchen ihr zu erklären, dass sich der Absturz vor längerer Zeit ereignet hat, ihr Bruder nicht in dem Flugzeug saß, und dieses schon gar nicht direkt am Flughafen abgestürzt ist ... oder ich behelfe mir mit einer kleinen Notlüge. „Madame, alles ist gut, wir konnten Ihren Bruder erreichen, er ist nicht abgestürzt“, höre ich mich da auch schon intuitiv sagen. Einen Moment später bin ich froh, dass ich mich nicht in langwierige Erklärungen verstrickt habe. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen.

Aber nur kurz. Denn inzwischen kenne ich meine lieben Alten. Und deshalb weiß ich auch ziemlich genau, wer die Wahrheit versteht und nur kurz an die Realität erinnert werden muss – und wer andererseits manchmal in seiner eigenen Welt unterwegs ist. In diesem Fall kann man wohl nur versuchen, die Situation in dieser dem Menschen eigenen Welt zu lösen.

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