interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Zwischenbericht

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

18.06.2015

Nachdem mir diese Woche aufgefallen ist, dass die Mitfreiwilligen aus meinem Örtchen schon längst alle einen Zwischenbericht an ihre Organisation schicken mussten, bin ich zunächst heilfroh, dass meine Organisation das Ganze etwas entspannter sieht und einfach anruft, wenn sie wissen will wie es mir geht. Trotzdem verleitet das allgemeine Fazit-Geziehe dazu, selbst mal die Frage nach einer Zwischenbilanz zu stellen.

Leider sieht diese auf den ersten Blick ungemütlich ernüchternd aus. Während meine Mitfreiwillige das Klischee lebt – mit tränenreichem Abschied zu Hause, einer eher depressiven Eingewöhnungsphase, einer aus den gemeisterten Herausforderungen resultierenden umso größeren persönlichen Entwicklung und letztendlich mit dem glücklichen Gefühl, mit dem Auslandsaufenthalt die beste Entscheidung des Lebens getroffen zu haben – weiß ich noch nicht einmal, ob mein bisheriges Fazit positiv oder negativ ausfällt.

Grundsätzlich fühle ich mich wohl hier: die Arbeit gefällt mir, mit dem Mädchen, das mir per Zufallsgenerator für ein Jahr vor die Nase gesetzt worden ist, komme ich ganz gut klar und durch den Umstand, im Kloster zu leben, mache ich eine überraschend positive und vor allem nicht alltägliche Erfahrung. Darüber hinaus lerne ich die französische Sprache und Kultur kennen, habe endlich Zeit, mit dem Gitarrenspiel anzufangen und mir noch ein paar nicht unwichtige Gedanken in Sachen Lebensplanung zu machen. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob das alles rechtfertigt, quasi ein Jahr „nichts“ und vor allem praktisch ohne gleichaltriges soziales Umfeld zu leben.

Was mich aber wirklich wunderbar positiv überrascht, ist, wie gut mich die Organisation vorbereitet hat und bis jetzt begleitet. Und das ist etwas, was ich bei der bisherigen Betrachtung völlig außer Acht gelassen habe. Mit dieser Erkenntnis fällt es mir wesentlich leichter, meinen Frieden mit dem vorläufigen Fazit zu schließen. Denn auch wenn ich keine offensichtlich größeren Herausforderungen zu meistern hatte, habe ich doch wahnsinnig viel gelernt.

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