interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Nah dran oder weit weg?

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

21.08.2015

Langsam fangen die Fragen nach der Dauer meines restlichen Verbleibs in Frankreich an überhand zu nehmen. Sowohl meine Kollegen als auch die Bewohner des Hauses scheinen bei meinem Anblick nur noch daran zu denken, dass dieses eine Jahr, von dem ich im letzten Oktober so gebrochen gesprochen hatte, doch jetzt bald um sein müsste. Von der Antwort „nur noch drei Wochen“, sind die meisten dann zwar dennoch überrascht, lassen sich aber meistens mit der Versicherung, ich würde sie bestimmt bald besuchen, beruhigen.

Denn die Strecke von meinem Zuhause ins Elsass ist nichts, was man mit einem Auto und ein paar Stunden Zeit nicht überwinden könnte. Besuchen bei „meinen“ Senioren und Ordensschwestern steht also zumindest schon mal keine unüberwindbare Distanz im Weg. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Freiwilligen, die mindestens eine Tagesreise in Kauf nehmen, oder ihr Studentenbuget mit einem Flug belasten müssten.

Aber ist das wirklich ein Vorteil? Als mein Freund mich diese Woche fragte, ob ich nicht lieber weiter weg gegangen wäre, musste ich mir eingestehen, dass ich in meiner Freizeit kaum mit Franzosen zu tun hatte, weil ich an den Wochenenden kaum da war. Ich habe mich viel mit anderen deutschen Freiwilligen von meiner Organisation getroffen und war ungefähr jedes vierte Wochenende bei meiner Familie. Da bleibt wenig Zeit, um neue Leute kennenzulernen. Deshalb denke ich, dass die „Nähe“ (immerhin knapp 400 Kilometer) zu meinem Zuhause in Deutschland meinem sozialen Umfeld in Frankreich nicht besonders zuträglich war.

Auf der anderen Seite habe ich so aber etwas erkannt, was ich sonst entweder nie oder erst sehr viel später gelernt hätte: wie wichtig mir meine Familie ist. Das war mir zwar auch vorher klar, aber wie toll sie wirklich ist, hätte ich wahrscheinlich nicht gemerkt, wenn ich nur an Weihnachten heim gekommen wäre. Denn dass man sich freut, wenn man die Familie nach einem Jahr wieder sieht, steht ja wohl hoffentlich außer Frage. Aber dass ich mich unglaublich gern vier Stunden ins Auto setze, obwohl ich die Leute erst vor drei Wochen das letzte Mal gesehen habe, hätte ich vorher nicht gedacht. Und damit habe ich die wahrscheinlich wichtigste Erfahrung, die ich in diesem Jahr gemacht habe, der Nähe meiner Einsatzstelle zu meinem Zuhause zu verdanken.

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