interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Hinterland

Autor:
Hannes

Rubrik:
orientieren

06.07.2018

Für viele mag es wie ein Klischee klingen, aber ich kann nun aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Menschen in Afrika im Allgemeinen und aus Tansania im Speziellen überaus offen und freundlich sind.
Einmal wurde ich etwa von Flown, einem Lehrer der Katempris-Schule, der kaum älter ist als ich, nach Hause eingeladen. Dieses Angebot nahm ich liebend gern an, denn ich besuchte Tansania ja gerade aus dem Grund, authentisches Leben mitzubekommen und nicht nur Touristenhotspots abzuklappern. Besonders interessant war für mich, dass sein Heimatdorf im Gegensatz zu Kayanga – „meiner Stadt“ mit ihrem Markt, den Reisebussen und den geteerten Straßen – tatsächlich ein Kaff im Hinterland ist. Eines Samstagmorgens fuhren wir erst mit Kleinbussen, dann mit dem Taxi dorthin. Erst nach zwei Stunden kamen wir am Haus seiner Eltern an.
Das Haus war eher eine Hütte, aus Lehm gebaut, mit gestampften Böden, kleinen, düsteren Zimmern. Die Eltern empfingen uns freudig; erstens, weil ihr Sohn nach zwei Monaten an der Schule auf einen Besuch vorbeischaute und zweitens, weil er einen so seltsamen Gast wie mich mitbrachte. Ich überreichte circa zwei Kilo Zucker, mein Gastgeschenk. Dann ließen wir Männer uns auf simpel gezimmerten Bänken nieder und plauderten ein wenig.
Wohlgemerkt: Nur wir Männer saßen beisammen. Das konservative Rollenverständnis im ländlichen Tansania verbot es offensichtlich, dass sich die Frauen und Kindern gleichberechtigt mit uns unterhalten können. Sie hielten sich stattdessen in der Küche auf, kochten für uns zu Mittag und schälten Erdnüsse – ein Umstand, der mich peinlich berührte.
Nachdem wir gegessen hatten, zeigte mir Flown die Felder seiner Familie und seine eigenen, auf denen sie Bananen, Kaffee, Kartoffeln und Cassava anbauen. Dabei erlebte ich zum ersten Mal, dass ein Kind vor mir als Weißen schreiend wegrannte. Ich kam mir vor wie ein Gespenst. Es war das Kind von Flowns bestem Freund, der mit 24 Jahren schon eine Frau und zwei Kinder hat und seinen Lebensunterhalt als Bauer verdient.
Nachdem wir zurück zum Elternhaus gegangen waren und reichlich mit Geschenken in Form von Eiern und Erdnüssen überschüttet wurden, machten wir uns auf den Heimweg. Mit vielen neuen Erfahrungen legte ich mich abends erschöpft ins Bett.

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