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Freiwilligendienst im Ausland

Das Paket

Ungeduldig fuhr ich mit dem Motorrad zum Post Office von Kayanga. Das Gebäude ist von außen schmucklos, die Fassade besteht fast ausschließlich aus Postfächern. Da nämlich kaum eine Straße hier offiziell ist und somit auch keinen Straßennamen hat, ist eine direkte Postzustellung unmöglich. Wenn man also den analogsten aller Kommunikationswege nutzen will, muss man sich ein kleines schwarzes Postfach mieten.
Doch darum ging es jetzt nicht: Ich war nicht für Briefsendungen gekommen, mich erwartete Größeres. Also trat ich ein. Der Raum mit drei Schaltern an der Stirnseite war gefüllt mit Menschen. Verständnislos schaute ich ihnen dabei zu, wie sie irgendwelche Formulare ausfüllten, dann wurde ein Schalter frei und ich widmete meine Aufmerksamkeit dem freundlich dreinschauenden Postbeamten.
„Ich habe ein Paket hierherschicken lassen“, sagte ich auf Englisch. „Katempris?“ fragte der Beamte nur. Seine Scharfsinnigkeit überrumpelte mich ein wenig. Ein Weißer in Kayanga wird wohl mittlerweile zwangsläufig mit der Grundschule Katempris in Verbindung gebracht, da sie immer wieder Freiwillige beschäftigt.
Widerwillig nickte ich, mochte nicht zu viel von mir preisgeben. Dennoch ist das Postfach auf die Schule gemeldet und somit musste ich dieses Zugeständnis machen, um an mein Päckchen zu kommen.
Der Beamte ging in ein Hinterzimmer und kam nach einigen Minuten mit einem recht zerschlissenen Paket zurück. Ich schaute auf den Absender: Tatsache, es war aus Deutschland, von daheim! Ohne Protest zahlte ich eine Empfangsgebühr – von der mir zuvor versichert worden war, dass ich sie nicht zu bezahlen hätte – stopfte den braunen Karton in meinen Rucksack und machte mich auf den Weg nach Hause, um meine neuen Schätze in Augenschein zu nehmen.
Dort angekommen offenbarte sich mir, was meine Mutter vor etwa vier Wochen in die Hände der Deutschen Post gegeben hatte: Zuckerrübensirup, Streichpasteten sowie kaputte und geschmolzene Schokolade – meine Food-Most-Wanted, die ich in Tansania sehr vermisst habe. Prompt schmierte ich mir ein Weißbrot mit Sirup, aß eine Tafel Schokolade und begann, die restlichen Tafeln zu zählen, um sie für meine restliche Zeit hier zu rationieren. Ich hielt ein Stück Heimat in Händen und fühlte mich glücklich.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 17, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Jul 17, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Hinterland

Für viele mag es wie ein Klischee klingen, aber ich kann nun aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Menschen in Afrika im Allgemeinen und aus Tansania im Speziellen überaus offen und freundlich sind.
Einmal wurde ich etwa von Flown, einem Lehrer der Katempris-Schule, der kaum älter ist als ich, nach Hause eingeladen. Dieses Angebot nahm ich liebend gern an, denn ich besuchte Tansania ja gerade aus dem Grund, authentisches Leben mitzubekommen und nicht nur Touristenhotspots abzuklappern. Besonders interessant war für mich, dass sein Heimatdorf im Gegensatz zu Kayanga – „meiner Stadt“ mit ihrem Markt, den Reisebussen und den geteerten Straßen – tatsächlich ein Kaff im Hinterland ist. Eines Samstagmorgens fuhren wir erst mit Kleinbussen, dann mit dem Taxi dorthin. Erst nach zwei Stunden kamen wir am Haus seiner Eltern an.
Das Haus war eher eine Hütte, aus Lehm gebaut, mit gestampften Böden, kleinen, düsteren Zimmern. Die Eltern empfingen uns freudig; erstens, weil ihr Sohn nach zwei Monaten an der Schule auf einen Besuch vorbeischaute und zweitens, weil er einen so seltsamen Gast wie mich mitbrachte. Ich überreichte circa zwei Kilo Zucker, mein Gastgeschenk. Dann ließen wir Männer uns auf simpel gezimmerten Bänken nieder und plauderten ein wenig.
Wohlgemerkt: Nur wir Männer saßen beisammen. Das konservative Rollenverständnis im ländlichen Tansania verbot es offensichtlich, dass sich die Frauen und Kindern gleichberechtigt mit uns unterhalten können. Sie hielten sich stattdessen in der Küche auf, kochten für uns zu Mittag und schälten Erdnüsse – ein Umstand, der mich peinlich berührte.
Nachdem wir gegessen hatten, zeigte mir Flown die Felder seiner Familie und seine eigenen, auf denen sie Bananen, Kaffee, Kartoffeln und Cassava anbauen. Dabei erlebte ich zum ersten Mal, dass ein Kind vor mir als Weißen schreiend wegrannte. Ich kam mir vor wie ein Gespenst. Es war das Kind von Flowns bestem Freund, der mit 24 Jahren schon eine Frau und zwei Kinder hat und seinen Lebensunterhalt als Bauer verdient.
Nachdem wir zurück zum Elternhaus gegangen waren und reichlich mit Geschenken in Form von Eiern und Erdnüssen überschüttet wurden, machten wir uns auf den Heimweg. Mit vielen neuen Erfahrungen legte ich mich abends erschöpft ins Bett.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 6, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Tansanische Grundschule – Teil 2

Wenn der Unterricht in der Katempris-Grundschule beginnt, setzen wir Freiwilligen uns neben lernschwache Schüler und unterstützen diese. Besonders interessant für mich ist dabei, die Lernmethoden der tansanischen Lehrer zu beobachten. In vielen Aspekten setzen sie eine Pädagogik ein, die hierzulande eher als veraltet gelten würde, zum Beispiel das Vorsagen und Nachsprechen.
Einmal pro Woche hat jede Klasse IT-Unterricht, den wir Freiwilligen aus ganz logischen Überlegungen übernehmen: Wir haben im Vergleich zu den Lehrern, die teils noch nie einen Computer benutzt haben, einfach mehr Erfahrung. Wir üben täglich mit den Schülern auf ausgedienten Laptops die Benutzung von Word und Paint.
Um 11 Uhr gibt es einen Brei, für viele Kinder die erste Mahlzeit des Tages. Wir setzten uns zu den Schülern an die Tische, plaudern mit ihnen, bringen ihnen Spiele bei und haben generell an ihrer Lebensfreude Anteil. Das betrachte ich als wahnsinnig großes Geschenk.
Danach findet wieder Unterricht statt, gefolgt vom Mittagessen, das aus einer Soße und abwechselnd aus Reis, Ugali (Maisbrei) oder Kartoffeln besteht. Um 16 Uhr versammelt sich die gesammelte Schule zur Verabschiedung, ehe wir wieder in unseren Bus steigen und nach Hause fahren. Manchmal bleibe ich auch mit den Internatskindern in der Schule und verbringe den ganzen Nachmittag damit, mit ihnen Memory zu spielen.
Zurück zu Hause kochen wir Freiwilligen gemeinsam Abendessen oder gehen zum Essen in die Stadt, was für uns preislich kaum einen Unterschied macht. Danach wünsche ich allen im Haus eine gute Nacht, begebe mich in mein Zimmer, schreibe in mein Tagebuch und gehe zu Bett.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 19, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Jun 19, 2018