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Freiwilligendienst im Ausland

Routinen

Wenn man sechs Tage die Woche arbeitet, kann das schon ziemlich anstrengend werden. Dass es mir zu viel wird, merke ich, wenn ich lustlos, müde und teilweise sogar wütend werde. Klar, wenn sich zwei Jungs zum zwanzigsten Mal innerhalb von zwei Tagen in die Haare kriegen, kann das schon nervenaufreibend sein. Doch die Praxis zeigt, dass schlechte Laune keinem hilft. Es hilft nur, sich mit beiden Jungs einzeln auseinanderzusetzen und nach Ursachen für den Streit zu suchen. Deshalb muss ich mich dann doch manchmal zusammenreißen und mir trotz Müdigkeit die Zeit nehmen. Das erspart nicht nur Nerven, sondern ist in Nachhinein auch sehr belohnend. Nur so kann man Fortschritte erzielen. Vor allem da die Kinder hier im Heim aus schwierigen Verhältnissen kommen, ist dabei oft Feingefühl gefragt.
Doch wie kommt es eigentlich zur Lustlosigkeit? Abgesehen von dem ein oder anderen schlechten Tag, den man sicherlich mal haben darf, habe ich herausgefunden, dass es meistens Routinen sind. Wenn ich merke, dass ich bei der Arbeit schon an die nächste Aufgabe denke, dann werden beide nicht zufriedenstellend fertiggestellt und ich bin schlecht gelaunt. Da mir die Arbeit hier eigentlich sehr viel Spaß macht, ärgert mich das umso mehr.
Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen, habe ich mir vorgenommen mehr auf die kleinen Dinge zu schauen. Sobald ich etwas immer wieder mache, versuche ich durch Variationen es so zu verändern, dass bei mir, wie auch bei den Kindern, keine Langeweile aufkommt. Das Ausbrechen aus Routinen ist also nicht nur Fundament für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kindern, sondern auch die einzige Möglichkeit, langfristig mit viel Freude zu arbeiten. Dabei sehe ich die Arbeit immer mehr als Gelegenheit, den Kindern wirklich zu helfen und für sie da zu sein, gleichzeitig aber auch, um mehr über mich selbst zu erfahren.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 28, 2019
Autor: David
Rubrik: orientieren
Nov 28, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Andere Lebensweisen

Nach zwei Monaten in Arequipa kann ich eine erste Zwischenbilanz ziehen. Man erlebt so unglaublich viel und trifft neue Menschen. Bei meinem Wanderurlaub im Colca Tal wurde mir erneut bewusst, dass ich hier zwar in einer wahnsinnig schönen Region lebe, mir aber die Interaktion mit den Menschen noch mehr bedeutet. Immer wieder hieß es: „Hier kann man schöne Bilder machen“ und alle sind aus dem Bus raus, um einen möglichst guten Schnappschuss mit sich im Zentrum zu machen. Ganz im Sinne von: Schaut her, ich war hier! Und wenn ich ehrlich bin, dann ekelt mich diese Art des Tourismus an, weil sie oft sehr egoistisch und rücksichtslos ist. Daher bin ich sehr froh, hier tagtäglich einen echten Einblick zu bekommen. Deshalb halte ich mich lieber von den touristischen Anziehungspunkten fern.
Auch wenn man vieles Bekannte, wie Vollkornbrot, Apfelschorle und grünen Salat nicht hat, vermisse ich es nicht so sehr wie ich anfangs gedacht habe. Diese Dinge habe ich einfach ersetzt, sodass an ihrer Stelle nun Pitahayas, Chirimoyas und Queso Helado stehen. Das ist sicherlich eine individuelle Sache, aber ich glaube sehr, dass es mir hilft, mehr im Hier und Jetzt zu leben, anstatt Dingen aus Deutschland hinterherzutrauen.
Diese endlosen Kleinigkeiten, die von exotischen Früchten, dem chaotischen Straßenverkehr bis zu der unbesiegbaren Spontanität gehen, fügen sich letztlich zu dieser anderen Lebenswelt zusammen. Diese Erfahrung ist für mich sehr erfrischend, da ich dadurch vieles hinterfragen kann und es mir im Umkehrschluss hilft herauszufinden, was ich für mich in meinem Leben erreichen möchte.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 21, 2019
Autor: David
Rubrik: orientieren
Nov 21, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Alltagsroutine

Der Arbeitsalltag hier in Arequipa ist unvergleichbar mit dem, was ich bei verschiedensten Tätigkeiten in Deutschland erlebt habe. Aber ich glaube gerade deswegen absolviert man einen Freiwilligendienst und ich bin mit der aktuellen Situation ziemlich glücklich. Ich arbeite sechs Tage die Woche. Der „freie“ Tag wechselt wöchentlich zwischen Samstag und Sonntag. „Frei“ ist dieser Tag insofern nicht immer, da ich mit den drei anderen Freiwilligen innerhalb des Kinderheimes lebe und man somit nie wirklich Abstand bekommt. Gleichzeitig hat man somit die einzigartige Möglichkeit so intensiv wie nie zuvor an etwas teilhaben zu können. Im Vergleich zu Freiwilligen bei anderen Projekten, die ich kennenlernen durfte und nur fünf Tage arbeiten „müssen“, ist das natürlich auf den ersten Blick sehr anstrengend. Auf der anderen Seite hat man hier das Gefühl wirklich gebraucht zu werden und mit seiner Arbeit vor Ort den Menschen tatsächlich helfen zu können, anstatt nur den tolerierten Geldgeber aus Europa zu spielen.
Auch die Arbeitszeiten sind etwas anders verteilt: Unter der Woche geht es von 13 Uhr bis 19 Uhr und am Wochenende meist von 8 Uhr bis 14 Uhr, wobei man realistisch gesehen immer mindestens eine halbe Stunde länger bleibt. Man ist immer in irgendeiner Weise eingespannt und theoretisch rund um die Uhr abrufbar. Ab und zu führt das natürlich dazu, dass man mal etwas Abstand sucht. Dieser ist aber auch möglich, da man sich jederzeit mit allen absprechen kann und ich auch mit meinem eigenen Zimmer einen sicheren Rückzugsort habe. Die meiste Zeit profitiere ich aber aus dieser Integration im Projekt. An Feiertagen lerne ich typische Bräuche kennen, man kann mal eine spontane Partie Monopoly spielen und kann den Kindern das Gefühl geben jederzeit für sie da zu sein, falls man benötigt wird.
Insgesamt führt das zu einer eigenartigen Endsituation: Man hat trotz der vielen Arbeit viel Zeit. Man findet immer Beschäftigung ohne Stress zu haben. Das alles macht den Alltag ziemlich spannend und ich merke, dass ich meine Zeit bewusster als in Deutschland nutze.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 11, 2019
Autor: David
Rubrik: orientieren
Nov 11, 2019