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Freiwilligendienst im Ausland

Chachani

Autor:
David

Rubrik:
orientieren

05.12.2019

… „alles ruhig“, das war die Devise, als ich letztes Wochenende meinen ersten 6.000er erklimmen wollte. Aber am besten fange ich erstmal von ganz vorne an: Was Arequipa womöglich am stärksten auszeichnet, sind die drei monströsen Berge, die die Stadt umrahmen. Neben dem Misti und dem Pichu Pichu, die beide die 6.000er Grenze nur knapp verfehlen, ist es vor allem der Chachani, der majestätisch am Horizont thront. Schon bei meiner Ankunft am Flughafen war mir beim Anblick der verzweigten Gipfelstruktur klar, dass ich im Laufe des Jahres da hoch will. Jedoch ist die Bergbesteigung ein ganz anderes Level als jede Wanderung, die ich zuvor absolviert habe. Der Chachani gilt zwar als einfachster 6.000er weltweit, wobei „einfach“ ziemlich relativ ist. Man startet bei 5.000 Höhenmetern und geht dann etwa hundert Höhenmeter bis zum Base Camp, wo man dann die Zelte für die Nacht aufbaut. Soweit ging es mir auch noch ganz gut. Vorsorglich habe ich die Tage zuvor keine schweren und fettigen Speisen zu mir genommen und fühlte mich daher auch fit. Sicherlich ein klassischer Placebo-Effekt, aber in dem Moment war ich erst mal überglücklich. Denn eigentlich war ich nicht wirklich gut vorbereitet. Doch dadurch, dass jeder spontan für unter hundert Euro einen Aufstieg auf den Chachani buchen kann, hat man das Gefühl, es müsste ganz einfach sein. Kurz vor der Abfahrt hält man dann noch an ein paar Läden an, um schnell ein paar Snacks zu kaufen. Ich hatte bereits Trockenfrüchte, Traubenzucker, viel Wasser und Koka-Blätter besorgt. Meine Ausrüstung bestand aus meiner Kleidung und den Sachen von der Agentur. Es folgte aber erstmal die Nacht auf 5.100 Meter. Es war wohl die schlimmste Nacht meines Lebens. Ich konnte nicht einschlafen, weil mein Herz so laut hämmerte, als hätte ich gerade einen Marathon absolviert, obwohl ich nur auf dem Boden lag. Mit einer Paracetamol gegen die höllischen Kopfschmerzen und zwei Litern Wasser ging es schließlich los. Der fehlende Sauerstoff sorgte dafür, dass sich mein Gehirn abschaltete und ich nur noch der Gruppe hinterher trottete. Als wir den Gipfel erreichten, war das ein eher surreales Erlebnis, das ich gar nicht verarbeiten konnte. Immer wieder hieß es: „todo tranquilo“ was wohl als Motivation gedacht war, aber meinem Gefühl absolut nicht entsprach. Insgesamt war es dennoch ein bereicherndes Erlebnis, um sich selbst und seine Grenzen besser kennenzulernen. Und es ist schon sehr befriedigend, wenn man aus dem Haus geht und am Horizont den eigens bestiegenen 6.000er thronen sieht.

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