interaktiv

Freiwilligendienst im Ausland

Corona in Peru

Autor:
David

Rubrik:
auszeit nach dem abi

29.04.2020

Anfang des Jahres war das Coronavirus noch weit weg und die Welt machte sich kaum Sorgen darüber. Auch hier in Peru wurde ab und zu noch eher scherzhaft darüber gesprochen. Bei unserem Hinflug nach Ecuador konnten wir am Flughafen einige Schilder und Infotafeln ausmachen. Wirklich beeinträchtigt hat uns das aber nicht. Während die Gefahr langsam aber sicher näher rückte, war ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin auf der Rückreise nach Arequipa quer durch Peru. Inzwischen gab es schon den ersten bekannten Fall in Peru. Zurück in Arequipa ging dennoch alles seinen normalen Gang und ich ahnte nicht, was noch alles kommen würde. Eigentlich naiv, wenn man die damalige Entwicklung in Italien verfolgt und im Hinterkopf das mangelhafte Gesundheitssystem Perus hat. Während in Peru die Grenzen für 30 Tage geschlossen wurden, beschloss das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dass alle Organisationen ihre Freiwilligen zurückholen müssen. Als ich das Schreiben las, realisierte ich gar nicht, was es für mich bedeutet. Irgendwie dachte ich, dass es uns in Peru gar nicht betrifft. Immerhin werden wir hier im Kinderheim gebraucht und können nicht einfach weg. Doch nach etlichen Nachrichten aus allen Richtungen wurde mir das Ausmaß des Ganzen bewusst. Ich muss mein Leben hier aufgeben. Ob ich will oder nicht. Am Abend war die Stimmung in der WG am Boden. Irgendwo verortet zwischen Wut, Trauer und Ungläubigkeit Ich wusste nicht, was ich tun sollte und fühlte mich völlig ohnmächtig. Selten habe ich selbst nicht gewusst, was ich überhaupt denken soll. Logischerweise war es keine entspannte Nacht und den darauffolgenden Tag verbrachte ich mit einem dicken Kloß im Hals. Ich wollte irgendwie unbedingt jemand die Schuld an dieser Situation geben. Der Wut folgte Trauer. Nun möchte ich die letzte Zeit in Peru noch so gut wie möglich nutzen. Durch die Quarantäne ist das nur bedingt möglich, da man nicht mehr sein Lieblingsessen im Lieblingsrestaurant essen, den Plaza de Armas besuchen und auch nicht mehr auf den Markt kann. Während sich andere zu Tode langweilen, haben wir genug Arbeit und sind gut beschäftigt. Leider möchte ich nicht daran denken, wie es hier weitergeht wenn wir nicht mehr vor Ort sind.

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