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FSJ

Machismo (Teil 1)

Vier Männer stehen ganz cool und lässig vor einem Bootssteg.

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

22.04.2009

 

Bereits seit meinem ersten Tag in San Carlos erfahre ich, was „Machismo" ist.

Zwar war mir schon vorher berichtet worden, dass in Nicararagua (so wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern) der Machismo sehr stark ausgeprägt ist, aber das am eigenen Leib zu erfahren, ist doch noch einmal etwas anderes.

An „Piropos" von Seiten der Männer, was so viel wie „Komplimente" heißt, mangelt es den Frauen nicht in Nicaragua. Und diese „Komplimente" fallen öfter auch vulgär aus - jedenfalls nach meinem Empfinden. Ich habe das Gefühl, keine zwei Minuten durch die Straßen zu laufen, ohne dass mir „Tschüss Püppchen, schenk mir deine Augen!" oder „Süße, lass uns die Nacht zusammen verbringen!" hinterher gerufen wird. Und das sind noch zwei der „höflicheren Piropos".

Sehr beliebt ist es auch, den Frauen einfach nur „tsss, tsss" zuzuzischeln. Ich fühle mich jedes Mal wie ein Hund, wenn ich dieses Geräusch höre. Aber das, was mich am meisten stört, ist, dass viele Männer keine Scheu kennen und mich einfach anfassen. Wenn ich sie dann ganz empört zurechtweise, schauen sie mich völlig verdattert und beleidigt an. Denn für sie ist das ein ganz normales Verhalten, mit dem sie ihre Männlichkeit beweisen.

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einem Freund darüber. Auch er fragte mich ganz verdutzt „Was? Dir gefällt es nicht, wenn dir die Männer Komplimente machen?" Dass Frauen (auch nicaraguanische) sich einfach nur wie eine Sache behandelt fühlen und dieses Verhalten in den meisten europäischen Ländern als respektlos angesehen wird, kann die Mehrheit der männlichen Nicaraguaner nicht verstehen.

 

Foto: Privat

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