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FSJ

Machismo (Teil 2)

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

27.04.2009

"Mein Papa? Keine Ahnung! Den kenne ich nicht! Der ist abgehauen, nachdem er meine Mutter geschwängert hat! Da war sie so um die siebzehn Jahre alt."

"Würdest du ihn gerne kennen lernen?"

"Als ich klein war, habe ich oft geträumt, dass er mit seinen Koffern in der Tür steht, ich ihm in die Arme springe und er von nun an mit uns lebt. Aber das blieb immer nur ein Traum. Später dann, als ich so 13 oder 14 Jahre alt war, haben ein Freund und ich Pläne geschmiedet, dass wir, wenn wir älter sind, unsere Väter suchen und ihnen ihr Geld stehlen wollen. Als Rache dafür, dass sie nie ihre Söhne kennen lernen wollten!"

"Ist dein Papa denn reich?"

"Angeblich schon. Mir wurde erzählt, dass er in der Hauptstadt wohnt, ein großes Haus, zwei Autos und einen Swimmingpool hat. Meine Mama hatte immer Angst, dass ich ihn eines Tages suchen und um Geld bitten würde. Sie meint, sein Geld sei ‚schmutziges Geld'. Er scheint im Drogengeschäft aktiv zu sein..."

"Und vermisst du ihn?"

"Nur manchmal. An Tagen wie Vatertag, wenn meine Halbschwestern zu ihrem Vater gehen, ihn umarmen und ihm sagen, dass sie ihn lieb haben und froh sind ihn zu kennen. Dann schaue ich weg und versuche nicht daran zu denken, wie es wäre, auch einen Vater zu haben. Oder wenn ich einen Jungen im Park mit seinem Vater Fußball spielen sehe, dann wünsche ich mir, auch einen Papa zu haben. Aber eigentlich ist er mir egal. So einen Vater wie meinen, brauche ich ganz bestimmt nicht!", sagt mein Freund.

Aber ich weiß, dass es ihm nicht egal ist. Zu oft redet er über seinen Vater. Und er ist nicht der Einzige! Fast keiner meiner Freunde kennt seinen Vater. In Nicaragua ist es etwas Besonderes, mit seinem Vater zusammenzuleben.

 

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