interaktiv

Mein Freiwiliges Jahr

Damals: Mein erster Tag

Autor:
Andreas

Rubrik:
auszeit nach dem abi

25.02.2008

Es ist 9 Uhr früh und ich stehe vor verschlossenen Türen. Ein mürrischer Mensch kommt zur Tür und schließt auf „Nmorgen". Ich gehe zur Information und sage dem mürrischen Mann, dass ich der neue FSJler bin. Ein Grinsen macht sich auf seinem Gesicht breit. „Hehe, na dann komm mal mit." Er bringt mich ins Büro, wo ich der Sekretärin vorgestellt werde. „Da", sagt er, „deine neue Chefin" und verschwindet wieder. Die Sekretärin begrüßt mich fröhlich, drückt mir einen dicken Ordner in die Hand und sagt: „Ich habe gerade viel zu tun. Aber da drinnen steht alles. Wenn du Fragen hast, frag' unseren Praktikanten." Super, denke ich mir, da fühle ich mich ja glatt wohl. Dann arbeite mich ein wenig durch den Ordner und verstehe nur Bahnhof.

Wo der Praktikant ist, weiß niemand. Aber irgendwann taucht er mal auf, stellt sich vor und arbeitet mich ein wenig ein. Er erklärt mir, wie ich Anrufe annehme, was ich zu sagen habe, was wir alles anbieten, wie ich alles in den Computer eingebe, wie ich buche, faxe und Dokumente ablege, wie ich E-Mails schreibe und Post verschicke. Mir brummt der Schädel. In der Theorie hört sich das ja alles ganz o.k. an, aber kann ich mir das wirklich merken? Ich ahne schon, dass das eine doofe Arbeit wird, dass ich mich nie eingewöhnen werde und dass ich total versagen werde. Da klingelt das Telefon. Ich schaue mit großen Augen auf den Hörer und dann auf den Praktikanten. Der grinst und geht ran. Mann, bei dem geht das ja alles super. Der weiß ja alles. Ich überlege mir, einfach zu gehen und zu sagen, ja, war schön, vielleicht sieht man sich ja nochmal.

"So", sagt der Praktikant, „das nächste Mal machst du das. Hast ja jetzt mitbekommen, wie das läuft. Ich geh mal eine Rauchen." „Ich komme mit", sagt die Sekretärin und ich verfluche mich, weil ich aufgehört habe. Ich sitze im Büro und starre auf den PC. Es tut sich nichts. Aber mein Herz schlägt wie verrückt. Bitte kein Anruf, denke ich mir die ganze Zeit. Bitte um Gottes Willen kein Anruf. Aber es hilft nichts. Das Telefon der Sekretärin klingelt. Puh, Glück gehabt. Dafür bin ich ja nicht zuständig, oder? Ein anderer Kollege geht ran. Und sagt mir danach, dass ich das nächste mal doch bitte rangehen soll, weil das Gebimmel sonst alle stört. Ich nicke beschämt und starre nur noch auf das Telefon. Es klingelt. Ich breche in Schweiß aus. Ich nehme mit zittrigen Händen ab. „Dokuzentrum, Dittmann, Guten Tag",  höre ich mich mit wackeliger Stimme sagen. „Oh verwählt, Tschuldigung." Nochmal gut gegangen. Den Rest des Tages schaffe ich es irgendwie, nicht ans Telefon zu gehen. Um 16:30 Uhr gehe ich total erschöpft und durchgeschwitzt nach Hause. Na das war ja mal ein toller erster Tag.

Was mir in der ersten Woche als schier unmöglich erschien, ist inzwischen reine Routine geworden. Ich vermute mal, dass dürfte in so ziemlich jedem Beruf so sein. Man darf sich nur nicht vom ersten oder zweiten Tag abschrecken lassen.

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