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Mein Freiwilliges Jahr

Chisme (Teil 2) oder: Echte Freunde gibt es nicht

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

10.12.2009

Irgendwann traf ich dann Elsa auf der Straße. “Warum kommst du denn nicht mehr bei mir zu Hause vorbei?”, fragte sie mich vorwurfsvoll. “Wegen deinem Papa”, erwiderte ich resigniert. “Er meint, Ruth und ich seien Lesben und würden dich nur verderben.” Da wurde sie wütend. Jedoch nicht auf ihren Vater, wie ich gehofft hatte, sondern auf mich. “Es hat mir schon jemand erzählt, dass ihr rumlauft und diesen Müll über meine Familie verbreitet! Das ist wirklich unglaublich! Ruth ist ein kleines Miststück, dass sie so ein Gerücht in die Welt gesetzt hat!”, zeterte sie und stolzierte davon. Ich hatte nicht einmal mehr Zeit, sie zu fragen, was wir denn davon hätten, den Leuten zu erzählen, dass wir lesbisch seien.

Bis jetzt hatte ich mir nie so viel aus Tratsch und Klatsch gemacht, obwohl die Leute auch schon versucht hatten, meinen Freund Pelu und mich auseinanderzubringen. Anfangs hatte ich den Gerüchten (“Er ist ja nur mit dir zusammen, weil du aus dem reichen Europa bist.”) geglaubt, da ich es nicht gewohnt war, dass sogenannte “Freundinnen” mich aus Eifersucht anlogen. Die Gerüchte waren zunächst große Probleme für uns beide, doch mit der Zeit hatte ich gelernt, einfach wegzuhören.

Elsa aber hatte ich immer als eine meiner besten Freundinnen angesehen, der ich wirklich vertraute. Wahrscheinlich traf es mich deshalb umso härter, diese Erfahrung mit ihr zu machen.

Ein nicaraguanisches Sprichwort besagt, dass es keine echten Freunde gibt. Dieser Meinung bin ich zwar nicht, aber ich musste auf die harte Tour lernen, dass es nur wenige davon gibt und man seine Freunde mit großer Sorgfalt aussuchen muss.

 

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