interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

100 Dollar Trinkgeld

Autor:
Andreas

Rubrik:
auszeit nach dem abi

06.03.2008

Neulich kam "hoher" Besuch ins Dokuzentrum. Kurz bevor ich zusperren wollte, kam ein großer, breiter, schwarzer Mann mit Zigarre im Mund und Gefolge im Schlepptau herein. Er ging zur Kasse, schaute sich ein paar Bücher an und sagte mit lauter Stimme: „I wanna have every book you have. Doesn`t matter which language, I take german, french and spanish books. I wanna have everything you sale." Mein Kollege war etwas verwirrt, vor allem weil er kein Englisch spricht und brummelte nur: "Warten Sie mal, ich hole einen Kollegen." Also mich. Weil irgendwie jeder hier denkt, ich könnte perfekt Englisch sprechen. Ich habe ihm dann alle Bücher gegeben (Rechnung von 277 Euro), nachdem ich von einem anderen aufgeregten Kollegen erfahren hatte, das es sich hier um Don King, den wohl berühmtesten, einflussreichsten und auch sonst reichsten Boxmanager und Promoter der Welt, handelt. Coole Sache. Weniger cool fand ich, als er meinte, er kommt am nächsten Tag wieder und ich soll ihm eine Führung geben, weil ich so ein klasse Kerl sei. Ähem. Dazu muss man sagen, dass ich nicht mal auf Deutsch durch die Ausstellung führen kann. Dazu bin ich so was von nicht qualifiziert. Aber Don ließ nicht locker und ich sagte zu.

Am nächsten Tag erschien er mit zwei Stunden Verspätung, nachdem wir ihn uns schon lange abgeschminkt hatten. Wieder hatte er sein Gefolge dabei und dieses Mal trug er eine furchtbar hässliche Jacke. So ein Designer-Jeans-Teil mit jeder Menge Glitzer und Bling-Bling und seinem Gesicht und der Amerika-Flagge (inklusive „The greatest country in the World"-Banner) hinten drauf. Unglaublich hässlich, aber was solls. Ich drückte ihm einen Audioguide in die Hand und sagte ihm, dass ich mitkomme und ihm seine Fragen beantworte. Die nächsten zwei Stunden waren relativ unspannend. Don hatte einfach keine Fragen. Eigentlich hat er sich nur jeden Film zirka dreimal angeschaut (vor allem von Leni Riefenstahl war er sehr begeistert). Ich bin also eigentlich nur nebenher gelatscht und habe mir die wirren Saufgeschichten seiner Begleiter angehört („Yesterday, we made party till 6 o`clock ..."). Dann habe ich ihm noch das Wenige, das ich weiß, erzählt und fertig. Die Aufregung mal wieder völlig umsonst. Aber meine "Führung" war nicht umsonst. Als Don und sein Gefolge gingen, wurden mir 100 Dollar Trinkgeld zugesteckt. Ziemlich cool. 100 Dollar für zwei Stunden nix tun. Das lobe ich mir. Bin mal gespannt, ob unsere Bundeskanzlerin auch Trinkgeld verteilt, wenn sie uns im Mai besucht.

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