interaktiv

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Von der Vergangenheit eingeholt

Autor:
Leon

Rubrik:
auszeit nach dem abi

06.10.2010

Und plötzlich war die Bedrohung ganz real. Keine Bilder aus dem Fernsehen oder Zeitungen, ungefährlich in ihrer Wirkung. „Waldbrände in Russland: atomare Gefahr im Anmarsch?“ So oder ähnlich konnte man in den deutschen Zeitungen im Ausland lesen. Die Waldbrände waren bis ins Dreiländereck Weißrussland-Russland-Ukraine vorgedrungen und wirbelten in den atomar verseuchten Gebieten rund um Tschernobyl den Boden auf. Diese Partikel in der Luft konnten eine Gefahr darstellen oder auch nicht. Je nachdem, welchen Berichten man nun Glauben schenken durfte, war es in der Nähe dieser Gebiete gefährlich oder nicht.

Ungünstigerweise lag unsere zweite Station genau im kritischen Gebiet. Die Stadt Gomel, wo wir die letzten drei Tage des Austausches verbringen sollten, lag 30 Kilometer von der Tschernobyl-Sperrzone entfernt. Hier wurden wir nun also von der Vergangenheit eingeholt. Der Super-Gau von 1986 war plötzlich wieder präsent. Zumindest bei uns gut informierten Deutschen – in Weißrussland wurde darüber nicht berichtet. Warm würde es wohl werden in Gomel, so hieß es von weißrussischer Seite, aber der Wind stünde gut, die gefährlichen Partikel würden nicht zur Stadt geweht. Sicher, morgen könne das Ganze schon anders aussehen. Ah ja, vielen Dank für diese konkrete und beruhigende Aussage …

Trotz alledem fuhren wir ins vor Hitze kochende Gomel und verdrängten das unterschwellige Unwohlsein erfolgreich. Aber das alte, dieses Land bestimmende Thema, hatte es wieder geschafft, sich in die Köpfe der Menschen zu brennen.

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