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Mein freiwilliges Jahr

Keiner versteht mich!

Autor:
Andreas

Rubrik:
auszeit nach dem abi

03.04.2008

Vor kurzem hatte ich die bisher wohl schrecklichste Dachführung. Ich glaube, dieses Erlebnis wird auch nicht getoppt werden können. Und das will was heißen, schließlich habe ich mich und 20 Besucher schon mal ausgesperrt oder vor ca. 30 jungen Mädchen meinen Bauch plus Boxershorts entblößt. Die Führung war ausnahmsweise keine öffentliche Führung, sondern eine extra gebuchte. Und da ist es so: Entweder man hat Glück und bekommt eine wirklich interessierte Gruppe oder man hat Pech und erwischt eine total unmotivierte Gruppe. Ratet mal, was für eine Klasse ich erwischt habe? Richtig! Unmotivierte, und zwar französische Austauschschüler, die kein Wort deutsch verstehen. Nun fragt man sich doch, warum zum Geier haben die eine deutsche Dachführung gebucht? Sehr gute Frage.

Der Lehrer meinte vor der Führung in einem wahnsinnigen französischen Akzent: „Öh, meinee Schüleer versteen alleee sehr güt dooitsch." Ich war mir nicht mal sicher, ob er mich überhaupt gut versteht. Jeder, der schon mal Austauschschüler bei sich hatte, weiß, dass die immer behaupten sie können „schon ganz gut deutsch ... verstehen". Das mag ja ab und zu stimmen, wenn's um Alltagsgespräche geht, aber nicht wenn's um eine Führung mit Fremdwörtern geht. Ich meine mit "Blutfahnenweihe", "Totengedenken" oder "sakrale Stimmung" musste ich denen nicht kommen. Das habe ich aber auch erst nach 5 Minuten bemerkt, nachdem ich in die Gesichter der Schüler blickte - so ähnlich würde ich auch aussehen, wenn ich in Tansania wäre und eine Führung auf Suaheli  bekommen würde - und ich keine Reaktion auf wirklich interessante Fakten bekam. Normalerweise geht immer ein ungläubiges Raunen durch die Menge, wenn ich vom Deutschen Stadion rede („Es war 82 Meter hoch und für 400.000 Zuschauer erbaut." „Wooowwww ... murmelmurmel ..." so in etwa), aber hier überhaupt nichts. Keine Reaktion. Zu allem Überfluss fing es auch noch nach 2 Minuten an zu regnen und ein echt kalter Wind blies mir schön ins Gesicht. Schließlich und endlich hatte ich keine Lust mehr und kürzte das Ganze dann ab. Von normalerweise 20 bis 25 Minuten auf 8 bis 10 Minuten. Naja, schlimmer kann es jedenfalls nicht mehr werden.

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