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Mein Freiwilliges Jahr

Kuba - Land der Widersprüche

Autor:
Maja

Rubrik:
auszeit nach dem abi

15.01.2013

Nach Ewigkeiten lasse ich mal wieder was von mir hoehren. Warum ich so lange nicht geschrieben habe? Ich war drei Wochen in Kuba und dort gibt es kaum Internetcafes. Wenn man dann doch eines findet, kostet die Stunde ein Vermögen, so um die zehn Dollar.

Ich habe bei Freunden gewohnt. Dies hatte den kleinen Nachteil, dass ich im Stadtteil Cerro/Santa Catalina zu Hause war, der im Reiseführer als der „einzige touristisch nicht interessante” Teil Havannas beschrieben wird und ein bisschen weiter vom Zentrum entfernt ist. Es gibt dort nur Plattenbauten, die anfangen zu verfallen. Der riesige Vorteil war aber, ein bisschen tiefer in das kubanische Leben mit all seinen Widersprüchen einzutauchen. Ich möchte ein bisschen von den Lebensumständen der Familie schreiben, bei der ich netterweise wohnen durfte:

Die Frau ist Ingeneurin, leitet eine Abteilung für medizinische Artikel für ganz Kuba und verdient im Monat umgerechnet 20 Dollar. Ihr Mann ist Sicherheitsmann und verdient ungefähr 30 Dollar. Ein Taxifahrer, der privat arbeitet, kann bis zu 500 Dollar im Monat verdienen. Zu erklären ist das ganze nur mit den zwei Währungen, die in Kuba existieren, und mit der Tatsache, dass der Staat recht schlecht zahlt, weil er kein Geld hat und man mit einem eigenen Geschäft oder im Tourismussektor deutlich mehr verdienen kann.

Außerdem ist es erstaunlich, dass die Familie einen neuen, schicken BMW hat, den die Frau als Prämie bekommen hat. Leider funktioniere der Bordcomputer nicht und in Kuba gibt es das entsprechende Ersatzteil nicht. Schon komisch, dass jemand einen BMW hat und gleichzeitig richtig gut durchplanen muss, was er wann isst, damit am Ende des Monats niemand Hunger hat. Die Auswahl an Lebensmitteln in den Supermärkten ist wirklich überschaubar. Dafür ist das Schulsystem das Beste in ganz Amerika. Alle Leute, die ich kennengelernt habe, hatten studiert! Etwas, das in Mexiko unvorstellbar wäre. Außerdem ist die medizinische Versorgung unglaublich gut! In Kuba gibt es doppelt so viele Ärzte pro Person wie in Deutschland! Ich habe in den ersten Tagen am eigenen Leib erfahren, wie gut das Gesundheitssystem ist, weil ich mal wieder krank geworden bin. In Mexiko bin ich erst gar nicht zum Arzt gegangen und das nicht ganz zu unrecht. In Kuba war ich einen halben Tag im Krankenhaus, wo sie mich komplett durchgechekt haben. Es stellte sich heraus, dass meine Magenprobleme daher kamen, dass ich in Mexiko ein ungeeignetes Antibiotikum verschrieben bekommen hatte, als ich eine Ohrenentzündung hatte. Mit ein bisschen Perenterol ging es mir am Tag darauf schon wieder blendend. Für sämtliche Untersuchungen habe ich übrigens ungefähr zehn Euro gezahlt – fast nichts! So viel zahlte man ja in Deutschland auch Praxisgebühr. Die Kubaner zahlen dafür natürlich gar nichts. Es ist schon irre, dass die Leute hier kaum genug zu essen haben, aber so ein gut ausgebautes Gesundheits- und Bildungssystem.

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