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Mein Freiwilliges Jahr

Ostern in der Sierra Gorda

Autor:
Anni

Rubrik:
orientieren

16.04.2013

Die Osterfeierlichkeiten dauern in Mexiko eine ganze Woche. Während dieser Zeit werden die Kirchen mit violetten Stoffen und Bändern geschmückt, es finden Festumzüge statt und die meisten Angestellten bekommen wenigstens zwei Tage frei. Als Freiwillige bei Amnesty hatten wir es besonders gut, denn uns wurde die ganze Woche zugestanden. Daher nutzten mein Freund und ich die Gelegenheit, um in eine Gegend zu reisen, in der wir zuvor noch nie gewesen waren: den Bundesstaat Querétaro.

Am Montag, eine Woche vor Ostern, machten wir uns auf den Weg. Die erste Nacht kamen wir bei einer Freundin unter. Wir wurden herzlich aufgenommen und im Nachtschein der Stadt konnten wir ein kilometerlanges Aquädukt bestaunen. Gleich am nächsten Tag ging es dann weiter in die Sierra Gorda, die „dicken Bergketten”, wo der Nebel die Wälder umhüllte und ein sanfter Nieselregen uns die trockene Kakteenlandschaft der Tiefebene vergessen ließ.

In der Sierra besuchten wir drei Orte, wovon einer schöner sein sollte als der andere. So wanderten wir zunächst zu einem schlanken Wasserfall, der aus einer berauschenden Höhe den Weg in die Tiefe fand, um sich in einem grünblau-glitzernden Wasserbecken wieder zu beruhigen.

Auf dem Weg zum nächsten Ort, Puente de Dios (Brücke Gottes) balancierten wir auf Holzleitern über einen wild fließenden Bach entlang den Wänden einer schmalen Schlucht. Die großen Felsbrocken machten den Weg zum Abenteuer. Die Puente ist eine Höhle mit zwei Öffnungen, die mehrere kleine Wasserfälle in sich vereint, und von deren Decke Tropfsteine hängen. Da uns an dieser Stelle die Nacht einholte, schafften wir gerade noch, unser Zelt aufzustellen, bevor die Sonne verschwand und der Schein der ersten Glühwürmchen im rauschenden Gewässer reflektierte.

Der dritte Ort, zu dem wir fuhren, der Sótano del Barro, war die größte Herausforderung: Etwas mehr als zwei Stunden bestiegen wir einen steilen Berg, um zu einem mehr 400 Meter tiefen Loch in der Erde zu gelangen, in welchem Papageienkolonien leben. Wir konnten direkt an den Abgrund treten, an dessen Rand der freie Fall beginnt. So genoss ich nach einem kurzen Blick in die Tiefe die fantastische Aussicht lieber von einem Felsbrocken in sicherem Abstand.

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