interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Seminar zum Feminizid

Autor:
Anni

Rubrik:
orientieren

12.09.2013

Auf der Suche nach einem Thema für die Masterarbeit – denn bald ist es schon so weit, es liegt nur noch ein Semester vor mir – bin ich auf den Feminizid gestoßen. Derzeit denke ich immer intensiver darüber nach über dieses kulturell verankerte Phänomen zu schreiben, bei dem Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind. Dieses Thema begleitet mich schon seit meiner Zeit in Oaxaca.

Als ein Freund von mir neulich erzählte, dass im Museum „Memoria y Tolerancia“ Kurse angeboten werden und dass einer davon zum Feminizid stattfinden wird, war ich gleich begeistert und schrieb mich direkt für eine Teilnahme ein. Dann galt es nur noch, meine Chefin zu überzeugen, dass ich die Fehlzeit problemlos abends nacharbeiten könnte.

Sie zeigte sich einverstanden und so besuchte ich vergangenen Monat zusammen mit dem Freund die wöchentliche Veranstaltung. Es war ein spannender Kurs. Anhand von zwei Fallbeispielen erarbeiteten wir die Merkmale der Feminizide und schauten in die Akten der Verteidiger.

Der Verteidiger eines Angeklagten führte tatsächlich als gerichtliches Argument an, dass er als Kind nicht von seiner leiblichen Mutter gestillt wurde, sondern nur von einer Leihmutter. Dies sollte wohl untermauern, dass er in unstabilen Verhältnissen aufgewachsen war. Die Verteidigung führte teils wirklich absurde Argumente auf, etwa dass die Mörder rasend vor Liebe nicht mehr wussten, was sie taten. Das Feminizide ein kulturelles Problem sind und nichts mit Liebe zu tun haben, sondern mit gesellschaftlichen Rollenbildern und dem Ungleichgewicht von Macht, blieb in den Urteilen völlig außen vor.

So war es letztendlich traurig, den Verlauf der Fälle zu betrachten, zu wissen, dass sie sich wiederholen würden und die Täter fast immer ungestraft davonkommen. Mal schauen, ob es tatsächlich mein Thema für die Masterarbeit wird.

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