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Mein Freiwilliges Jahr

Entschuldigung, wo war das nochmal … ?

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

29.10.2014

„Das ist Ihr Bett, richtig?“ Keine Antwort. Naja, wird schon stimmen. Also los. Rollstuhl ranschieben. Drehen. Patienten greifen. Anheben. Patienten ins Bett hieven. Hinlegen. Zudecken. Fertig. „Alles gut?“ Wieder keine Antwort. „Ja“ soll das bestimmt heißen. Am Ende des Tages wird eine Person vermisst. Sie wurde in einem Bett fernab ihrer Station gefunden. Der Patient, dem dieses Bett eigentlich gehört, hat sich erst beschwert und sich dann einfach dazugelegt.

Diese Situation ist natürlich fiktiv, aber sie beschreibt gut, wie der erste Arbeitstag im FSJ von der Grundstimmung her war: sehr durcheinander. Ich habe zwar schon im Klinikum hospitiert, doch kenne ich mich trotzdem keineswegs aus. Dazu ist das Krankenhaus einfach zu groß und es schwirren zu viele unbekannte Gesichter um mich herum. Gut aufgenommen wurde ich trotzdem, obwohl die Station zeitweise einem unsortierten Schlachtfeld glich. Meine neuen Kollegen sind alle sehr nett, beantworten mir jede noch so blöde Frage und sind auch sehr nachsichtig, wenn ich einen Fehler mache. Zu Anfang bekam ich erstmal eine Einführung, in der mir die Inhalte aus den Seminaren erzählt wurden, die ich verpasst hatte. Ich lernte, wie ich meine Hände richtig desinfiziere, wo ich mich an- und abzumelden habe, wo ich meine Kleidung finde und wieder loswerde.

Mit völlig zermartertem Kopf ging es dann auf die Station für Geriatrie, auf der wirklich viele alte Menschen sind, die oft nur bedingt als zurechnungsfähig durchgehen. Das war schon sehr suspekt, dort mit dementen und teilweise schizophrenen Menschen zu arbeiten. Doch lernte ich schnell von den examinierten Kräften, dass hier nur eine laute Stimme, Geduld und einfache, gezielte Anweisungen helfen. Das werde ich in Zukunft beherzigen.

Viel durfte ich selbstverständlich noch nicht machen. Das eine oder andere aber schon. Ich habe Patienten in ihren Betten verschoben, von A nach B befördert oder Essen verteilt. Aufgefallen ist mir, das hier alles, aber wirklich alles, aufgeschrieben und weitergegeben werden muss. Jedes noch so kleine Detail kann ausschlaggebend sein, ist also von höchster Relevanz.

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