interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Ein ganzer Tag im OP

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

23.01.2015

Mittlerweile war ich schon ein paar Mal bei spannenden Operationen dabei. Neulich durfte ich sogar einen ganzen Tag im OP verbringen. Die erste Operation bestand aus der Entfernung eines kleinen Tumors im Gehirn eines Patienten. Hier traf ich auf Medizinstudenten, die mir jeden Schritt der Operation erklärten, mir Details auf Röntgenaufnahmen zeigten und Zusatzinformationen vom Oberarzt einholten. Auf einem Bildschirm zeigten sie mir die Aufnahmen des Mikroskops, die das Gehirn des Patienten abbildeten. Faszinierend war, wie die Ärzte sich nach und nach, Millimeter für Millimeter in den Kopf hinein arbeiten. Erst ein Schnitt in die Haut, dann durch Blutgefäße, dann durch die Knochenhaut, schließlich der Knochen, der herausgesägt wird. Weiter geht es mit der ersten Hirnhaut, der zweiten, der dritten, bis man schlussendlich beim Gehirn angelangt ist. Mit ständigem Ultraschall wurde untersucht, wo der Tumor genau sitzt. Auf dem Monitor war er sehr gut erkennbar, hob sich deutlich vom restlichen Gewebe ab. Für das bloße Auge sieht dennoch alles gleich aus. Der Oberarzt meinte, dass sich die Gewebearten in ihrer Konsistenz wirklich nur minimal unterschieden. Geglückt ist dennoch alles und ich konnte ein kleines Stück Tumorgewebe betrachten. Widerlich.

Nach dieser Operation, die insgesamt fünf Stunden dauerte, gab es noch eine zweite, in der ein Kanal vom Kopf eines Patienten in dessen Bauch gelegt werden sollte, da sich immer wieder Wasser um das Gehirn herum ansammelte. Der operierende Arzt fragte mich, ob mir leicht schlecht werde, denn es sehe schon sehr brutal aus, wenn er die 50 Zentimeter lange Stange in den Patienten ramme. Sah es auch. In den Kopf wurde ein Loch gebohrt. Hier kam ein Implantat hinein, das das Wasser abtransportieren kann. Über ein Ventil und einen Knopf kann der Patient selbst den Druck regulieren, der in seinem Kopf herrscht. Abtransportiert wird das Wasser dann durch einen Schlauch in den Bauch, wo es abgebaut beziehungsweise ausgeschieden wird.

Was medizinisch alles möglich ist! Ich fand jedenfalls beide sehr interessant. Eigentlich dachte immer, dass ich ein Typ für die innere Medizin sei. Die Chirurgie erscheint mir aber immer spannender und aufregender. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

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