interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Fachseminar

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

28.01.2015

Klein und hilflos. So fühle ich mich, als ich mich in meinem Rollstuhl durch die Innenstadt bewege. Ich spüre die Blicke der Passanten, die im Großen und Ganzen hilfsbereit sind. Viele wenden sich aber auch ab, schauen betroffen zu Boden, tuscheln. Nach eineinhalb Stunden stehe ich auf, befreit von meiner temporären Unbeweglichkeit, die Unbehaglichkeit aber bleibt.

Dieses Experiment hat im Rahmen eines zweitägigen Fachseminars stattgefunden, das, wie das Einführungsseminar vor einiger Zeit, verpflichtender Teil des FSJ ist. Das Thema war Krankenpflege. Nachdem wir am ersten Tag einen Kinästhetik-Kurs hatten, in dem uns die Grundlagen der Bewegung, des rückenschonenden Arbeitens und des richtigen Umgangs mit Patienten beigebracht wurden, war am zweiten Tag die Rollstuhl-Selbsterfahrung dran. Vergleichbar ist dies mit dem Experiment zum Verlust des Augenlichts, das ich vor einiger Zeit mal beschrieb. Uns soll so Schritt für Schritt der richtige Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen nahegebracht werden. Ich halte diese praktische Art des Lernens für deutlich sinnvoller, als immer nur theoretisch erklärt zu bekommen, wie sich diese Menschen fühlen und wieso sich daraus ergibt, dass wir einen bestimmten Umgang mit ihnen pflegen sollen. Ich bin zwar weit davon entfernt, wirklich zu wissen, wie sich ein körperlich eingeschränkter Mensch tatsächlich fühlt, aber ich habe einen kleinen Einblick bekommen und kann es ein bisschen besser verstehen. Das wird mir bei meiner täglichen Arbeit im Krankenhaus sicher helfen

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