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Mein freiwilliges Jahr

Busgespräche (Teil 1)

Autor:
Thilo

Rubrik:
auszeit nach dem abi

09.02.2015

Ich höre The Kooks, als ich das Klacken der Lautsprecher im Bus wahrnhme, öffne die Augen und setze meine Kopfhörer ab. Wo sind wir? Auf der Autobahn jedenfalls nicht mehr. „Es gibt ein technisches Problem“, erklärt der Busfahrer, der sich „Der Günther“ nennt. „Wird wohl ein paar Minuten dauern, der Keilriemen ist abgeflogen.“
Erst jetzt bemerke ich, dass wir uns bei einer Werkstatt befinden. Der junge Mann hinter mir tippt mir auf die Schulter und fragt mich, was denn los sei. So kommen wir ins Gespräch. Er studiert Medieninformatik in Dresden, ist jetzt im fünften Semester, eins hat er noch, plant aber ein siebtes ein. Danach möchte er ein bisschen arbeiten oder ein bisschen Pause machen. Anschließend komme ein Master noch infrage – sicher sei das alles aber noch nicht. Er erzählt mir, dass er in einer 4er-WG im Zentrum Dresdens wohnt, wo er für ein 30 Quadratmeter großes Zimmer 280 Euro warm zahlt. „Bekommst du denn BAföG?“, frage ich interessiert. Er bekomme nur „Peanuts“, aber wenigstens spare er die Rundfunkgebühren. Die entfallen für Studenten und Auszubildende, die BAföG erhalten.
Im Sommer nutzt er die freie Zeit, um auf Festivals in ganz Norddeutschland zu arbeiten. Dort verdient er ein paar tausend Euro, sagt er, die er über das folgende Jahr hinweg aufbraucht. An Arbeiten neben dem Studium sei kaum zu denken: zu viele Hausarbeiten, zu viele Klausuren. Besonders in der Anfangszeit sei der Druck hoch gewesen.
Wohin ihn sein beruflicher Weg führen wird, weiß er noch nicht genau. Momentan nutzt er das im Studium erworbene Wissen, um an einer Applikation zu arbeiten. „Das ist ein großes Ding“, berichtet er. Dann erzähle ich ihm, dass ich in Magdeburg zu Besuch bei einer Freundin war, um mir die Stadt und die Medizinische Fakultät anzuschauen. „Also möchtest du da mal studieren?“ „Ja. Also vielleicht.“ Ich erzähle ihm, dass ich mir drei Universitäten ausgesucht habe – in Magdeburg, Münster und Lübeck – und nun herausfinden will, an welcher Universität ich mich für Medizin bewerben möchte.
Die Lautsprecher knacken wieder. Der Günther meldet sich, macht einen obszönen Witz über den gerissenen Gummi und meint, dass es noch etwas dauern werde.

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