interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Busgespräche (Teil 2)

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

12.02.2015

Ich erzählte ihm, dass ich Freunde in Magdeburg besucht hatte, die in einer 5er-WG wohnen und das einer von ihnen Medizinstudenten im ersten Semester war. Der gab mir ein paar Tipps, sagte, dass es sinnvoll sei, ein FSJ vorzuschieben, so hätte ich auch wirklich Semesterferien und müsse hier nicht mein dreimonatiges Pflegepraktikum nachholen, könne entspannen – oder lernen. Das Universitätsklinikum sei groß, die Fakultät insgesamt überschaubar. Der Jahrgang habe mit 190 Kommilitonen eine angenehme Größe, mit seinem Geld komme er in Magdeburg gut über die Runden. Momentan stünden Klausuren an, er sei viel im Stress, dauerhaftes Lernen, kaum Pausen. Es sei aber auszuhalten. „Bist du denn sicher mit Medizin“, fragt mich der angehende Medieninformatiker. „Immer mehr“, war meine Antwort.

Besonders der Besuch einer Vorlesung im Fach VWL bestärkte mich darin. Ich begleitete meine Freundin in den Hörsaal und holte bereits nach kurzer Zeit eine Zeitschrift heraus, weil es mich in keinster Weise interessierte, was uns der Dozent erzählen wollte. Auch die anderen Studierenden schienen wenig interessiert. Anschließend gingen wir „mensen“, aßen also in der Kantine zu Mittag. Generell werden in Magdeburg gerne ein paar hippe Begriffe gefunden. Mensen für das Essen in der Mensa, Bib steht für die Bibliothek, Hasseln für das Feiern in den Bars am Hasselbachplatz. Aber jede Stadt hat sicherlich einen persönlichen Slang.

Mein Sitznachbar fragte, was jetzt insgesamt für Magdeburg spricht und ich überlege: Die Stadt ist sehr grün und liegt an der mittleren Elbe. Die Wohnungen sind günstig, man bekommt recht schnell einen Platz in einem Studentenwohnheim. Das Leben ist insgesamt angenehm preiswert. Das Semesterticket kostet nur knapp 32 Euro, erlaubt aber auch nur die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Magdeburger Raum (was zugleich einen Minuspunkt darstellt), aber die Busfahrt nach Hause ist mit 22 Euro für Hin- und Rückfahrt unschlagbar günstig. Weiterhin ist die Medizinische Fakultät noch sehr jung, bietet viele Forschungsmöglichkeiten in der Immunbiologie, in den Neurowissenschaften und in der Demenzforschung in Zusammenarbeit mit namhaften Instituten wie dem Max-Planck-Institut. „Aber entscheiden kann und möchte ich noch nichts,“ ziehe ich mein temporäres Fazit. „Schließlich habe ich noch keinen Vergleich. Münster und Lübeck warten noch auf mich.“

Plötzlich kommt der Günther, der Busfahrer, freudestrahlend zurück und verkündet, dass es weiter gehen kann. Endlich!

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