interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Wettlauf ohne Ziel

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

19.02.2015

In der Schule ist man ständig weitergekommen, wenngleich man das selbst gar nicht so bewusst wahrgenommen hat. Es wurden für Klassenarbeiten vergeben und man hangelte sich von einer Klausur zur nächsten, hatte immer neue Ziele vor Augen und kam praktisch automatisch und unweigerlich weiter. Die Zeit trieb einen voran, von der zehnten in die elfte Klasse, schließlich in die zwölfte. Und das fühlte sich immer wie ein Aufstieg an. Nun mache ich ein FSJ, in dem ich irgendwie nicht weiterkomme. Es gibt keine Klausuren, keine Prüfungen, keine festen Termine. Zudem interessiert sich niemand für meine Leistungen.

Die Zeit vergeht einfach und ich habe ein Gefühl des Stilstands, so als würde ich gar nichts schaffen. Woran liegt das? Ich arbeite doch schließlich, manchmal neun Tage am Stück, im Wechsel zwischen Spät- und Frühschicht, ich bin müde, kaputt, ausgepowert und fühle mich oft leer und einsam.

Auch fehlt mir ein gewisser Druck, Dinge zu lernen. Aktuell muss ich nicht mehr tun als zur Arbeit zu gehen, dort meine Aufgaben zu erfüllen und dann wieder nach Hause zu fahren. Deshalb sitze ich oft zu Hause und versuche, mich zu beschäftigen. Ich habe angefangen, Französisch und Holländisch zu lernen, manchmal lese ich auch in medizinischer Fachliteratur. Es kommt mir vor, als vegetiere ich stupide vor mich hin. Ich verfalle in eine Alltagsmüdigkeit, die ich nie haben wollte. Es wird Zeit, dass ich wieder Pläne mache!

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