interaktiv

Mein freiwilliges Jahr

Zehn Stunden Gas geben

Autor:
Thilo

Rubrik:
auszeit nach dem abi

23.03.2015

Es ist 8:30 Uhr – und ich war nervös. Der lange Auswahltag zum Medizinstudium an der Uni Münster begann. Die anderen waren genauso angespannt wie ich. Endlich durften wir in den Test-Raum gehen, der über 220 Computer verfügt. Dort wurde uns erklärt, dass jeder zweite Bewerber einen Platz bekomme – und dass alles schon nicht so schlimm werden würde. Vor uns lagen bereits zwei Stapel Blätter, die wichtige Informationen für den Test und die am Nachmittag stattfindenden Stationen enthielten. Die sollten wir uns durchlesen. Es ging um biologische Grundlagen wie die Diffusion, die Osmose, den Säure-Basen-Haushalt im Körper, um Proteine, die DNA und Enzyme. Außerdem wurden das Rauchen und seine Folgen oder das richtige Benutzen eines Blutdruckmessgerätes behandelt.

Der folgende Verständnistest war als Multiple-Choice-Test ausgelegt, dauerte neunzig Minuten und enthielt 60 Fragen, für die man folglich jeweils neunzig Sekunden Zeit hatte. Es wurden etliche Themen behandelt, über Physik und Mathe ging es zu Biologie und Chemie. Keine Naturwissenschaft wurde vernachlässigt, manche Fragen waren sehr verdreht gestellt, sodass es immens wichtig war, sich zu konzentrieren.

Nach Ende des Tests ging es weiter zu den Stationsübungen. Man hatte jeweils neunzig Sekunden Zeit, sich die Aufgabenstellung anzugucken, um diese dann innerhalb von fünf Minuten und unter Beobachtung zweier Juroren umzusetzen. Begonnen hat es mit einer Patientin, die ihre Tabletten verloren hat. Als nächstes sollte ich anhand eines Videos das Verhalten einer Ärztin bewerten. Anschließend musste ich eine Patientin davon überzeugen, mit dem Rauchen aufzuhören, einer anderen Patientin das Messen des eigenen Blutdrucks erklären. Bei der letzten Station sollte ich erste Hilfe leistern. Ich war leider unaufmerksam und übersah das Erste-Hilfe-Paket, sodass ich improvisieren musste. Ich verband die verunfallte Person mit imaginären Verbänden und löste die Situation, indem ich einen Krankenwagen rief.

Im zweiten Block ging es mehr um ethische Fragen, um das Nachmachen eines chirurgischen Knotens und die hausärztliche Behandlung. Interessant war, dass hier tatsächlich die Informationen, die man morgens über die erhaltenen Blätter bekommen hatte, gefordert waren. So musste ich zum Beispiel erklären, warum die Studie, dass Curry Menschen schlauer mache, keinen Sinn ergibt. Ebenso musste ich die Formel zur Berechnung des BMI anwenden, um zu analysieren, ob der in der Praxis anwesende Patient wirklich übergewichtig ist. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich den Tag geschafft hatte. Nun heißt es wieder mal: warten.

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