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Mein Freiwilliges Jahr

Immer entspannt am Patienten?

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

15.05.2015

„Wenn du das Zimmer eines Patienten betrittst, vergiss deine Sorgen, deine Probleme und deinen Stress. Du musst dir vorstellen, dass du auf die Bühne gehst und ein Stück spielst, in dem alles gut ist“, hat mal eine Krankenschwester zu mir gesagt. Und sie hat Recht damit.

Vor den Patienten müssen wir es nämlich stets so aussehen lassen, als liefe alles so, wie es laufen soll. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, so sollen wir das die Patienten keinesfalls spüren lassen. Wenn wir im Stress sind, sollen wir ihn nicht auf die Patienten übertragen. Besonders alte Menschen reagieren darauf oft sehr empfindlich. Sie sperren sich dann gegen alles. Wir kennen also keine Eile und keinen Druck, wenn wir am Patienten arbeiten. So scheint es zumindest. Dass wir innerlich explodieren, weil alles zu langsam geht und noch unzählige Patienten warten, das merkt keiner. Und das soll auch so sein. Schließlich sollen die Patienten in Ruhe gesund werden und sich nicht mit unseren Emotionen auseinandersetzen müssen.

Doch was macht das mit dem Pflegepersonal, wenn alles heruntergeschluckt werden muss? Zugegeben, es ist manchmal ganz schön schwer. Wunderbar ist aber, dass ich im Krankenhaus spezielle Arbeitskleidung trage. Das klingt zwar ein wenig sonderbar, doch es ist so, dass ich nach der Schicht, wenn ich mich umziehe, viel Frust und Ärger mit ablege. Negative Emotionen lasse ich dadurch im Krankenhaus und kann befreit nach Hause gehen.

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