interaktiv

Mein freiwilliges Jahr

Sommerloch

Autor:
Thilo

Rubrik:
auszeit nach dem abi

20.08.2015

Das gibt es sogar im Krankenhaus: Eine Zeit, in der kaum etwas zu tun ist, in der kaum Patienten da sind, somit wenige zu Untersuchungen gebracht werden oder gepflegt werden müssen. Ich bin in dieser Zeit im Patiententransport, frage überall mehrmals nach, ob nicht irgendjemand irgendeinen Patienten braucht. Röntgen ist seit 10 Uhr durch, nur noch Notfälle von der Notaufnahme sind gegebenenfalls zu bearbeiten. Die fahre ich aber nicht. Für die CT gilt dasselbe. MRT läuft jede Stunde einmal. Und wir sind zu fünft. Da bleibt für den Einzelnen nicht viel zu tun. Während ich dasitze und warte, zerlaufe ich förmlich auf meinem Stuhl. Nur ab und zu bläst der Ventilator mir Luft ins Gesicht.

Kein Stress? Und das im Krankenhaus? Undenkbar, wie ich bisher dachte. Doch es scheint möglich zu sein. Dadurch bleibt viel Zeit, mich zu unterhalten, mich den neuen Freiwilligen und Auszubildenden zu widmen, sie kennenzulernen. Gleiches gilt für die wenigen Patienten, die ich durch die Gegend fahre. So habe ich mich mit jemandem unterhalten, der Lungenkrebs in ausgeprägter Form hat, aber voller Hoffnung ist, dass die sechs Chemotherapien anschlagen. Oder einen Vater, der sich wunderte, um wen es hier eigentlich gehe. Des Öfteren haben mich Patienten gefragt, ob ich mit Prinz Harry verwandt sei (schuld daran sind definitiv die ganzen Boulevard-Zeitschriften, die den Patienten in die Hand gedrückt werden). Also hat die Zeit der Untätigkeit doch etwas Gutes: Ich konnte mich richtig mit den Menschen beschäftigen, auf die ich im Krankenhaus treffe.

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