interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

In the middle of nowhere

Autor:
Franziska

Rubrik:
orientieren

27.08.2015

10.000 Seen, Moskitos, Schnee, Countrymusik und Bauernhöfe: Das ist, was den meisten Leuten zum US-Bundestaat Minnesota einfällt – wenn sie denn überhaupt schon einmal davon gehört haben.

In der 11. Klasse habe ich auf einem dieser Bauernhöfe bei einer Gastfamilie als Austauschschülerin gewohnt. Obwohl ich in Deutschland auch in einer Kleinstadt wohne, muss ich zugeben, dass das Farmleben anfangs ein mittelstarker Kulturschock war. Die Bezeichnung „Irgendwo im Nirgendwo“ hat für mich plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommen: Der nächste Nachbar wohnte meilenweit entfernt und um in einen Ort mit Tankstelle und Supermarkt zu gelangen, war man ganz schön lange unterwegs. Trotzdem habe ich mich erstaunlich schnell eingelebt und wohl gefühlt. Deswegen konnte ich es kaum erwarten, dieses Jahr wieder dorthin zu fliegen. Dank moderner Kommunikationsmittel hatte ich zwar die ganze Zeit über Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen Freunden dort gehalten, aber ich wusste trotzdem nicht so recht, was sich innerhalb der zwei Jahre alles verändert hatte. Doch sobald ich zurück in meinem alten Zimmer war und selbst gemalte Bilder meiner kleinen Gastschwestern in den Händen hielt, fühlte ich mich direkt wieder wie zu Hause. In Deutschland habe ich nur einen großen Bruder, deshalb gefällt es mir, in Minnesota in die Rolle der großen Schwester zu schlüpfen – und von meinen Gastschwestern auch überall so vorgestellt zu werden. Schön war es auch, meine alten Freunde zu treffen. Sie berichteten vom College, wir gingen in der Mall shoppen, veranstalteten Mädelsabende oder entspannten einfach nur am See. Alle meine Sorgen waren unbegründet. Es war fast so, als hätten wir uns erst eine Woche zuvor zum letzten Mal getroffen.

Ich glaube, das ist ein großer Vorteil von Kleinstädten: Die Gemeinschaft ist ziemlich stark und man wird nicht so schnell vergessen. Selbst die Kassiererin im Supermarkt konnte sich noch an meinen Vornamen erinnern, sodass es sich überhaupt nicht so angefühlt hat, als wäre ich zwei Jahre weggewesen.

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