interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Ein Oktopus sollte man sein!

Autor:
Lydia

Rubrik:
orientieren

29.11.2017

Ein Freiwilligendienst in der Krankenpflege ist nicht immer ein so leichter Job, wie ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte. Die ersten Tage und Wochen, in denen ich mich einlebte, waren noch relativ entspannt. Doch sobald ich eingearbeitet war, sah das anders aus: Mein Aufgabenkontingent stieg an. Das Schöne: Ich lerne weitaus mehr, als nur Kaffee zu verteilen. Außerdem kann ich bereits selbstständig zu vielen Fragen Auskunft geben. Ich fühle mich nun weniger verloren und suche nicht mehr immer sofort Hilfe bei einer Schwester. Schließlich kenne ich mich langsam aus und weiß jetzt selbst, wo die Patienten die Caféteria finden oder wann die Ärzte mit der Besprechung fertig sind.
Andrerseits sahen viele Patienten schon von Beginn an eine vollwertige Schwester in mir, denn woher sollen sie auch wissen, dass ich nur eine Langzeitpraktikantin bin? Von allen Seiten wenden sie sich mit ihren Anliegen an mich, die natürlich zur vollsten Zufriedenheit erledigt werden wollen. Der eine möchte auf Toilette, der andere braucht ein neues Bettlaken, der nächste möchte eine Infusion. Natürlich ist es mir als FSJlerin schon allein rechtlich nicht erlaubt, all diese Aufgaben allein zu erledigen – schließlich dauert die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger nicht ohne Grund drei Jahre. Aber einen Großteil der Aufgaben kann und möchte ich auch erfüllen.
Die meisten Patienten sind jedoch sehr ungeduldig und wollen ihre Behandlung sofort. Am liebsten möchte ich alles gleichzeitig machen und weiß manchmal gar nicht, wo ich anfangen soll. Denn ich kann nicht überall gleichzeitig sein. In solchen Momenten frage ich mich, warum ich kein Oktopus geworden bin. Immerhin hätte ich dann ein paar Arme mehr zur Verfügung und könnte somit mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Klar, in manchen Situationen ist Stress unvermeidbar, wenn zum Beispiel eine REA (Reanimation) vorgenommen werden muss. Dann muss alles schnell gehen.
Mein bisheriges Fazit: Ich mag meine Stelle und die Arbeit, die ich dort verrichte. Aber manchmal bin ich von meinen ungeduldigen Patienten genervt. Und wenn ich so darüber nachdenke, ist es doch gar nicht so gut, ein Oktopus zu sein. Die acht Arme sind zwar ein großer Vorteil, aber leider ist die Station kein Großraumaquarium. Und was bringen mir acht Arme, wenn ich doch nur zwei Beine zum Hin- und Hersprinten habe?

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