interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Wenn die Arbeit Früchte trägt

Autor:
Lydia

Rubrik:
orientieren

16.02.2018

Vor meinem FSJ habe ich mich immer gefragt, warum Leute gerne im Reha-Bereich arbeiten. Ich stellte mir das wenig spannend vor, da will ich doch lieber was Außergewöhnliches sehen und „Action“ haben. Dabei habe ich nicht bedacht, wie schön – und vor allem wichtig – es ist, Menschen in der Zeit nach der Action zu begleiten. Schließlich möchten diese Patienten gerne in ihr altes Leben zurück.
Das ist gerade in der neurologischen Reha oft schwierig. Die Funktionswiederherstellung von einzelnen Gliedmaßen etwa erfordert neben der Willenskraft des Betroffenen auch sehr viel Geduld – sowohl vom Personal als auch von demjenigen selbst. Schnell kann Frustration aufkommen, wenn die Genesung doch länger dauert als erwartet.
In den vergangen sechs Monaten habe ich trotzdem viele Momente erlebt, in denen es den Patienten von Tag zu Tag besser ging. Wir haben zum Beispiel Patienten, die einzelne Gliedmaßen nicht bewegen oder spüren können. Wenn sie nach erfolgreicher Therapie wieder ihr Essen alleine aufschneiden oder selbstständig über die Station spazieren können, ist das ein grandioses Gefühl. Ich erinnere mich außerdem an eine Patientin, die aufgrund einer Schluckstörung nur püriertes Essen bekommen durfte. Sie konnte nur sehr langsam schlucken und ich habe mehr als eine Stunde mit dem Anreichen bei ihr verbracht – aber in dem Moment war mir das egal. Gerade in solchen Situationen, wenn ich die Patienten schon besser beziehungsweise länger kenne, fiebere ich mit, bis die Ausgangssituation wieder hergestellt wird. Ich drücke innerlich die Daumen und motiviere die Patienten, wenn sie mit den Therapeuten über den Flur gehen.
Und wenn das alles klappt, spürt man auch die eigene Erleichterung. Dann stelle ich jedes Mal fest, wie stark dieses Team aus Pflegern, Ärzten und Therapeuten auf unserer Station zusammenarbeitet. Alle ziehen an einem Strang und haben nur das Ziel vor Augen, dass es den Patienten besser geht. Mittlerweile denke ich daher ganz anders über die Reha.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.