interaktiv

Mein Freiwilliges Jahr

Die Ruhe vor dem Sturm

Autor:
Lydia

Rubrik:
orientieren

06.04.2018

Auf meiner Station gibt es jeden Tag jede Menge zu tun. Das bedeutet viel Gerenne. Einige meiner Kollegen messen mit einem Schrittzähler, wie viel sie am Tag laufen. Im Durchschnitt sind das in einer Frühschicht rund 10 Kilometer pro Person – super, Arbeit und Fitnessstudio in einem! Außerdem vergeht die Arbeitszeit dadurch wie im Flug. Patienten kommen, Patienten gehen. Waschen, Essen austeilen, Betten schieben. Ruckzuck sind acht Stunden Arbeit vergangen.
Umso ungewöhnlicher wirkt es, wenn es ruhig ist. Keine Patientenklingel bimmelt, niemand wird entlassen. Selbst die Bestellungen für die nächste Woche sind schon erledigt. Doch kaum wagt es einer, das „R“-Wort laut auszusprechen, bricht auch schon wieder das Chaos aus.
Vorige Woche zum Beispiel verlief der Freitag besonders ruhig. Normalerweise werden freitags die meisten Patienten entlassen, damit die Betten für die Notfälle am Wochenende frei werden. Nicht so dieses Mal – hieß es zumindest zunächst. Doch als ich tags darauf zur Arbeit kam, staunte ich nicht schlecht, als ich neun freie Betten sah. Offenbar waren doch noch zahlreiche Patienten entlassen worden. Natürlich freuen wir vom Pflegepersonal uns über jeden gesund gewordenen Patienten, aber fürchten dann gleichzeitig, dass uns die Rettungsstelle jeden Patienten reinhaut und wir wieder im Chaos versinken.
In der Hoffnung, dass ich dieses Szenario nicht abbekommen würde, zählte ich jede, zäh schleichende Minute bis zum Ende meiner Schicht. Und dann war endlich der langersehnte Feierabend da – ich konnte gehen! Der Spätdienst tat mir aber leid. Denn an einem Samstagabend passieren die meisten Unfälle und Leute kommen auch mit Kleinigkeiten in die Notaufnahme, weil sie nicht bis Montag warten und zum Hausarzt gehen wollen – der Spätdienst musste mit einem Ansturm rechnen.

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