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Mein Freiwilliges Jahr

Auf Abstand

Sobald ich am Morgen meinen ersten Schritt auf Station setze, kommt mir alles entgegen: der Geruch von Desinfektionsmitteln; der delirante Patient, der schon wieder das Haus zusammenschreit; der Stress, der mich in den nächsten Stunden erwartet. Ich weiß jetzt schon, dass von meinen knapp 40 Patienten mindestens zehn schwere Pflegefälle sind. Schicksalsschläge, die jedem von uns passieren können und die niemand erleben möchte – ich habe jeden Tag betroffene Menschen um mich. Jeden Tag höre ich schmerzerfüllte Stimmen, sehe Angehörige, denen die Tränen herunterlaufen, weil wir doch nichts mehr für ihr Familienmitglied tun können, und hoffe mit anderen Patienten, dass für sie schnell ein Reha-Platz gefunden wird. Bei all dieser seelischen Belastung ist es wahnsinnig wichtig, dass das Pflegepersonal nicht daran kaputt geht – so auch ich nicht.
Was kann ich also tun, um das alles nicht mit nach Hause zu nehmen? Wie viel Distanz zum Patienten ist okay, um nicht völlig herzlos zu werden?
Distanz ist enorm wichtig, allerdings darf es auch nicht zu viel sein. In meinem (zukünftigen) Job bin ich mehr als nur eine Krankenschwester – ich bin der Tröster, der die Tränen trocknet. Doch sobald ich das Patientenzimmer verlassen habe, sind meine Gedanken schon woanders. Für mich sind diese Patienten, die eine liebevolle Familie um sich haben, völlig Fremde. Ich habe nie eine Beziehung zu ihnen aufgebaut, außer eine pflegerische. Ich weiß zwar über die gesundheitliche Entwicklung Bescheid, aber oft weiß ich nicht einmal das genaue Alter.
Generell kann ich meine Arbeit sehr gut im Krankenhaus lassen. Im Laufe des Jahres habe ich jedoch festgestellt, dass ich nach dem Dienst immer sehr aufgekratzt bin. Kein Wunder, immerhin rase ich knapp neun Stunden ununterbrochen von Zimmer zu Zimmer. Irgendwann habe ich angefangen, Sport zu treiben. Vor allem direkt nach dem Dienst lässt mich das enorm herunterfahren und entspannt meine Seele.
Natürlich kann ich hier nur für mich sprechen. Jeder hat seinen eigenen Weg, mit solchen Dingen umzugehen. Wichtig ist jedoch auf jeden Fall eines: So oft, wie du in diesem Bereich an andere denkst, solltest du auch an dich denken!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 30, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
Apr 30, 2018

Mein Freiwilliges Jahr

Suche Wohnung, biete Hungerlohn

Schon vor dem FSJ hatte ich fest geplant, zeitnah von zuhause auszuziehen. Mit meinem FSJ-Taschengeld wäre ich allerdings nicht weit gekommen und ehrlich gesagt habe ich mir auch nicht zugetraut, selbstständig und alleine zu leben.
Rückblickend habe ich in meinem Freiwilligenjahr bisher viel über mich gelernt und gemerkt, dass ich es sehr wohl schaffe ein eigenständiges Leben zu führen: Ich kann eine 40-Stunden-Woche Arbeit aushalten, meinen Haushalt organisieren, Einkäufe erledigen, die Wohnung putzen, mein Sozialleben strukturieren, Wäsche waschen, kochen und mit meinem Geld umgehen. Das müsste doch reichen, oder?
Fehlt nur noch die Wohnung. Und das ist wohl der schwierigste Punkt. Auch wenn ich mich endlich entschlossen habe, im Herbst definitiv auszuziehen, heißt das noch lange nicht, dass ich auch eine günstige Wohnung finde. Nicht selten werden in Berlin Zwei-Zimmer-Wohnungen für über 650 Euro im Monat vermietet. Und selbst wenn ich das aufbringen kann, muss ich noch Nebenkosten, Versicherungen und andere Ausgaben zahlen.
Um all das zu schaffen, habe ich mich erst mal gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden. Bis ich einen Studienplatz in Medizin bekomme, vergehen eh noch Jahre. Insofern kann ich diese Zeit auch mit einer Ausbildung und dem gleichzeitigem Auszug überbrücken. Eigenständigkeit ist mir wichtiger als „Hotel Mama“. Dafür werde ich mir auch noch einen Nebenjob suchen, denn ich möchte auch nicht auf Dauer jeden Cent umdrehen müssen.
Bis ich eine bezahlbare Wohnung finde, deren Vermieter mich als Azubi mit geringem Gehalt akzeptiert, spare ich weiterhin einen Großteil meines FSJ-Gehalts, um mir später Möbel und die Kaution leisten zu können. Schließlich kann nur so der Traum der ersten eigenen Wohnung wahr werden!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 18, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
Apr 18, 2018

Mein Freiwilliges Jahr

Seminar über Feminismus

Unglaublich, aber wahr: Mein Freiwilligenjahr neigt sich langsam dem Ende entgegen, es sind nur noch 15 Wochen. Das hört sich lang an, zieht man jedoch meinen Urlaub und die Seminare ab, ist es erschreckend wenig. Ich werde meine Einsatzstelle vermissen. Dennoch merke ich auch, dass ich bereit bin, neue Dinge zu lernen. Deshalb sind die Seminare eine willkommene Abwechslung zum Klinik-Alltag.
Vorige Woche war es wieder soweit. Das Thema: Feminismus. Ehrlich gesagt, habe ich mich zuvor noch nie damit beschäftigt. Wollte ich das deshalb gleich eine ganze Woche? Eher nicht, dachte ich. Doch ich muss sagen, am Ende war ich tatsächlich wehmütig, dass das Seminar so schnell vorbei ging. Neben den üblichen Kennenlernspielen konnten wir dieses Mal viel selbst ausprobieren. Zum Beispiel durften einige von uns den Teamleitern bei einer Fachtagung über die Schulter schauen oder Exkursionen zu feministischen Beratungsstellen unternehmen. Die erstaunlich vielen Eindrücke lassen mich gedanklich auch zurück zuhause noch nicht los. Danke dafür, liebes Planungsteam!
Neben dem Hauptprogramm waren es jedoch die Gespräche mit den Teamleitern außerhalb der Seminarzeit, die mir am besten gefallen haben. Ich möchte nicht ins Detail gehen, kann aber sagen, dass diese Unterhaltungen unglaublich stärkend waren und ich entspannt wieder zur Arbeit ging. Es hat gutgetan, mal den Alltag komplett liegen zu lassen, auszuschlafen (ja, um 6 Uhr aufzustehen zählt für mich mittlerweile als ausschlafen) und mal die Seele baumeln zu lassen.

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 13, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
Apr 13, 2018