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FSJ im Ausland

Nur drei aus Millionen Geschichten (Teil 1)

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

01.04.2009

Ich möchte euch in den nächsten Tagen drei Geschichten erzählen. Sie sind normale, alltägliche Geschichten aus Nicaragua. Einfach Leben.

 

Dies ist Ruths Geschichte. Wie sehr viele Frauen hier in Nicaragua, so wurde auch ihre Mutter in jungen Jahren, bereits mit 17, schwanger. Ungewollt natürlich. Ihren Vater lernte Ruth nie kennen, da er sich sofort nach ihrer Geburt aus dem Staub machte. Auch das ist nichts Besonderes in Nicaragua. Einige Jahre später lernte Ruths Mutter einen anderen Mann kennen, den sie heiratete und mit dem sie drei weitere Kinder bekam. Da Ruth nicht seine leibliche Tochter ist, sah er nie ein, warum er sich um sie kümmern sollte, sondern benutzte sie nur als Hausmädchen. Ließ sie kochen, putzen und waschen. Damals war sie elf.

Deshalb zog Ruth mit 15 dann zu ihrer Tante. Als sie schließlich mit 17 Jahren die Schule, die sogenannte „Secundaria" abschloss, wollte sie nichts lieber als Psychologie studieren. Da gab es nur ein Problem: In ihrem Abschlusszeugnis wurde ihr Name falsch buchstabiert, was es ungültig macht. Man sollte meinen, dass dies ein kleiner Fehler ist, der sich leicht beheben lässt. Nicht jedoch im korrupten Nicaragua. Ohne Geld geht nichts. Und Geld hat Ruth nicht. So wartet sie nun schon fast zwei Jahre auf die Korrektur ihres Zeugnisses, bisher jedoch ohne Erfolg.

 

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