Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

FSJ

Machismo (Teil 1)

Vier Männer stehen ganz cool und lässig vor einem Bootssteg. 

Bereits seit meinem ersten Tag in San Carlos erfahre ich, was „Machismo" ist.

Zwar war mir schon vorher berichtet worden, dass in Nicararagua (so wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern) der Machismo sehr stark ausgeprägt ist, aber das am eigenen Leib zu erfahren, ist doch noch einmal etwas anderes.

An „Piropos" von Seiten der Männer, was so viel wie „Komplimente" heißt, mangelt es den Frauen nicht in Nicaragua. Und diese „Komplimente" fallen öfter auch vulgär aus - jedenfalls nach meinem Empfinden. Ich habe das Gefühl, keine zwei Minuten durch die Straßen zu laufen, ohne dass mir „Tschüss Püppchen, schenk mir deine Augen!" oder „Süße, lass uns die Nacht zusammen verbringen!" hinterher gerufen wird. Und das sind noch zwei der „höflicheren Piropos".

Sehr beliebt ist es auch, den Frauen einfach nur „tsss, tsss" zuzuzischeln. Ich fühle mich jedes Mal wie ein Hund, wenn ich dieses Geräusch höre. Aber das, was mich am meisten stört, ist, dass viele Männer keine Scheu kennen und mich einfach anfassen. Wenn ich sie dann ganz empört zurechtweise, schauen sie mich völlig verdattert und beleidigt an. Denn für sie ist das ein ganz normales Verhalten, mit dem sie ihre Männlichkeit beweisen.

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einem Freund darüber. Auch er fragte mich ganz verdutzt „Was? Dir gefällt es nicht, wenn dir die Männer Komplimente machen?" Dass Frauen (auch nicaraguanische) sich einfach nur wie eine Sache behandelt fühlen und dieses Verhalten in den meisten europäischen Ländern als respektlos angesehen wird, kann die Mehrheit der männlichen Nicaraguaner nicht verstehen.

 

Foto: Privat

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Apr 22, 2009
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Apr 22, 2009

FSJ im Ausland

Drei aus Millionen Geschichten (Teil 3)

Die letzte Geschichte, die ich euch erzählen möchte, ist die eines 18-jährigen Mädchens: Blanca. Ihr ganzes Leben lang war sie Jahrgangsbeste gewesen. Sie lernte viel, um sich ihren Traum, eines Tages Ärztin zu werden, zu erfüllen.

Im letzten Jahr erhielt sie schließlich ein Vollstipendium, um Medizin in Kuba zu studieren. Überglücklich, da nur sehr, sehr wenige diese Möglichkeit erhalten, füllte sie alle ihre Bewerbungen aus. Als alles schon bereit war, erfuhr sie, dass sie schwanger war. Wie die meisten von euch wahrscheinlich wissen, sind Abtreibungen jeglicher Art (auch bei Minderjährigen) in Nicaragua illegal. Mit Geld jedoch ist hier alles möglich.

Nach vielen Überlegungen und Tränen stellte ihr Onkel schließlich das Geld für die Abtreibung zur Verfügung. Alles war geplant, als Blancas Freund auftauchte und ihr sagte, dass das Baby auch seines sei und er daher ein Mitbestimmungsrecht habe. Schließlich drohte er ihr, sie anzuzeigen, wenn sie die Abtreibung vornehmen würde. Die Bestrafung für Abtreibungen ist hoch: bis zu zehn Jahren Haft.

Blanca weinte und weinte, doch sie hatte keine andere Wahl, als das Baby zu bekommen. Mittlerweile ist ihre Tochter vier Monate alt,  und der Vater, der dieses Kind unbedingt haben wollte, hat bereits eine neue Freundin. Er kümmert sich weder um seine Tochter, noch stellt er Blanca finanzielle Hilfe zur Verfügung.

Ich höre diese Geschichten meiner Freunde und Freundinnen, dann schaue ich mich und mein Leben an und ich frage mich: Wie kann diese Welt nur so unfair sein?

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Apr 7, 2009
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Apr 7, 2009

FSJ im Ausland

Drei aus Millionen Geschichten (Teil 2)

Dies ist die Geschichte eines 18-jährigen Jungen, der José heißt. Alle nennen ihn jedoch „Negro". Wie sein Spitzname schon sagt, ist er Schwarzer. Das einzige dunkelhäutige Kind von acht Geschwistern. Deshalb wurde er in seiner Familie nie wirklich akzeptiert. Auch seine Mutter zeigte ihm so gut wie keine Zuneigung.

Mit zirka sechs Jahren hielt er das Leben bei seiner Familie in San Carlos nicht mehr aus und nahm das Schiff in die Hauptstadt. Ganz allein - die Fahrt dauert etwa 13 Stunden. In Managua versuchte er, sich als Schuhputzer durchzuschlagen.

Vor wenigen Jahren kam er nach San Carlos zurück, da sein Leben in der Hauptstadt noch elender war, als in seinem Heimatstädtchen. Seine Familie empfing ihn jedoch nur zurückhaltend. Deshalb wohnt er jetzt mit zwei Freundinnen in einer kleinen Hütte.

Da er fast seine ganze Kindheit und Jugend auf der Straße verbracht hat, hatte er noch nicht einmal die Chance, die Grundschule zu beenden. So wird er nie eine gute Arbeit finden und der Armut entkommen können.

„Aber was soll man machen?", sagt er immer. „Ich versuche einfach, die wenigen schönen Augenblicke meines Lebens zu genießen."

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Apr 2, 2009
Autor: Esther
Rubrik: studium
Apr 2, 2009