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Gap Year

Ein Interview mit Boris Becker

Autor:
Noah

Rubrik:
orientieren

18.02.2019

Am vorletzten Tag meines Praktikums beim ZDF durfte ich mich als „Boulevard“-Journalist am roten Teppich versuchen. Davor hatte ich Respekt, denn bisher habe ich nur Interviews mit „normalen“, nicht prominenten Menschen geführt. Ein neues Musical in Stuttgart feierte Premiere und als Stargast war der ehemalige Tennisspieler Boris Becker angekündigt. Wie ich befürchtet hatte, sollte ich den dreifachen Wimbledonsieger zu seinem Privatleben befragen. Ich wurde schon vorgewarnt, dass Herr Becker auch pampig werden könne, wenn er einen schlechten Tag habe. Mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich zusammen mit einem Kameramann und seinem Assistenten zur Premiere. Dort empfing man uns mit kalten Getränken, kleinen Snacks und einer Liste mit Fotos der Prominenten, die erwartet wurden. Ich bin ehrlich, ich kannte neben Boris Becker kaum jemanden auf der vierseitigen Liste. Die Musicalleitung führte uns schließlich zum roten Teppich, wo jeder Sender seinen Platz hatte. Dann warteten wir. Nach mehr als einer Stunde kam Boris Becker und das Blitzlichtgewitter begann. Ich zeigte auf mein Mikrofon und er steuerte tatsächlich auf mich zu. Um ihn nicht gleich auf sein Privatleben anzusprechen, fragte ich alibiweise erst, ob er sich auf das Musical freuen würde, um dann mit der nächsten Frage auf seine aktuelle finanzielle Situation zu kommen. Sein Gesicht verdunkelte sich und er gab mir zu verstehen, dass es besser wäre, keine weiteren Fragen mehr zu stellen. Er ging zu einem Kollegen vom Privatfernsehen, der aber natürlich auch nur private Fragen an ihn hatte und sich nicht für das Musical interessierte. Ich war froh, als es vorbei war, denn der „Boulevardjournalismus“ liegt mir wohl nicht. Aber trotzdem bin ich dankbar für diese Erfahrung und ziehe nach sechs Wochen Praktikum eine sehr positive Bilanz aus meiner Zeit beim ZDF. Seit der fünften Klasse wollte ich Journalist werden, über die Jahre ist dieser Plan allerdings etwas in den Hintergrund gerückt. Doch das Praktikum hat mir gezeigt, dass der Journalismus vielleicht mehr als nur ein Plan B ist.

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